Wie Wunschdenken einem ganzen Land den Verstand rauben kann
Ich frage mich manchmal, ob es nicht selbst ein wenig größenwahnsinnig ist, gegen den Untergang dieses Landes anzuschreiben. Vielleicht hat mich das deutsche Wunschdenken längst selbst erfasst.
Dabei muss ich manchmal an Udo Lindenbergs alten Song „Kleiner Junge“ denken. An den Mann, der am Ende in die Psychiatrie eingeliefert wird und noch immer davon überzeugt ist, nicht er sei verrückt, sondern die anderen. Und nun sitze ich hier und behaupte im Grunde etwas ganz Ähnliches:
Wie man Menschen dazu bringt, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht wollen
„Natürlich will das Volk keinen Krieg.“
So beginnt eine der bemerkenswertesten Äußerungen, die uns aus der unmittelbaren Umgebung der Nürnberger Prozesse überliefert sind. Ihr Urheber macht die Beschäftigung damit zunächst unangenehm: Hermann Göring, einer der führenden Nationalsozialisten und später vom Internationalen Militärgerichtshof als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.
Aber eine Aussage wird nicht dadurch falsch, dass ein Verbrecher sie ausgesprochen hat. Vielleicht sollten wir sogar besonders aufmerksam zuhören, wenn jemand, der an einem verbrecherischen Herrschaftssystem an führender Stelle beteiligt war, anschließend beschreibt, wie Menschen dazu gebracht werden können, einen Krieg mitzutragen, den sie selbst eigentlich gar nicht wollen.
Denn Göring beschreibt hier aus meiner Sicht nichts anderes als eine Methode der Manipulation. Und wenn diese Methode tatsächlich funktioniert, könnte es für unser Überleben wichtiger sein, sie zu verstehen, als ihren Urheber einfach nur zu verachten.
Googeln Sie diesen Satz einmal
Wenn Sie Zweifel haben, ob das Zitat echt ist, machen Sie etwas sehr Vernünftiges: Prüfen Sie es selbst. Geben Sie einfach „Natürlich will das Volk keinen Krieg“ in eine Suchmaschine ein.
Der ungehobene Erfahrungsschatz der Ossis – Haltungsschaden.info
Viele Menschen sind angesichts aktueller Wahlprognosen enttäuscht von den Ostdeutschen. Da wurde nach der Wiedervereinigung über Jahrzehnte investiert, Infrastruktur erneuert und wurden enorme Summen in den Aufbau Ost gesteckt – und ausgerechnet dort wenden sich heute besonders viele Menschen von den etablierten Parteien ab.
Was für ein undankbares und offenbar auch noch politisch minderbemitteltes Volk, diese Ossis, könnte man denken.
Ein Experiment: Kann eine maximal politische Aussage gleichzeitig wahr und falsch sein?
Dieser Beitrag ist ausdrücklich kein Plädoyer für links oder rechts. Er ist der Versuch, an einer bewusst emotional gewählten Aussage zu zeigen, wie Ebenentrennung funktioniert.
Vielleicht haben Sie beim Lesen der Überschrift bereits zugestimmt. Vielleicht haben Sie sich geärgert. Vielleicht haben Sie den Autor schon politisch einsortiert.
Jede Aussage über Mensch und Gesellschaft ist gleichzeitig wahr und unwahr – solange ihre Bezugsebene nicht genannt ist.
Das klingt absurd, denn wir sind gewohnt, gesellschaftliche Aussagen in zwei Kategorien einzuordnen: richtig oder falsch. Doch was, wenn genau darin ein wesentlicher Teil unseres Problems liegt?
Nettoinvestition = Null – brauchen wir wieder Krieg?
Jörg Buschbeck · 9. August 2026
Kapitalismus ist das hochproduktive arbeitsteilige Wirtschaftssystem, in dem vorrangig Unternehmer gegen Gewinnaussichten das Risiko der Vorfinanzierung von Einkommen tragen. Es basiert auf in Eigentum vollstreckbaren Vertragsschulden.
Warum übernehmen Unternehmer dieses Risiko? Weil sie einen Zuwachs ihres Vermögens erwarten. Ohne Gewinnaussichten implodiert deshalb das System.
Woher aber kann der Vermögenszuwachs aller Unternehmen in Summe kommen? Dafür genügt zunächst eine einfache Vermögensgleichung:
Gesamtvermögen = Realvermögen + Geldvermögen
Der Zuwachs des Realvermögens ist die Bruttoinvestition abzüglich des Wertverzehrs des bereits vorhandenen Kapitalstocks, also der Abschreibungen:
– wenn technische Intelligenz friedliche Intelligenz erzwingt
Die Menschheit steht möglicherweise vor einem grundlegenden Missverhältnis: Unsere technische Fähigkeit, Konflikte auszutragen, wächst schneller als unsere gesellschaftliche Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Dieses Problem begann nicht mit künstlicher Intelligenz. Spätestens mit der Entwicklung von Atomwaffen wurde offensichtlich, dass technischer Fortschritt einen Punkt erreichen kann, an dem die traditionelle Fortsetzung eines politischen Konflikts mit militärischen Mitteln für alle Beteiligten existenzgefährdend wird. Künstliche Intelligenz könnte dieses Missverhältnis noch einmal erheblich verschärfen. Nicht deshalb, weil KI zwangsläufig Krieg führt, sondern weil immer leistungsfähigere technische Systeme die Möglichkeiten menschlichen Handelns vergrößern – und damit auch die möglichen Folgen menschlicher Fehlentscheidungen und eskalierender Konflikte.
Market failure, government failure, democratic failure, murderous wars – in the end, they are all forms of human failure. At first, that sounds rather hopeless. Because if human beings are ultimately the problem, wouldn’t we have to change human beings in order to make the world a better place?
That conclusion seems obvious. And perhaps it is precisely the conclusion we should be most wary of.
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