Deutschland neu erfinden – eine Patentlösung – Deutschland-Patent.de

Nun, Deutschland erstickt in Problemen. Es wird sich grundlegend neu erfinden müssen. Da werden mir die meisten zustimmen. Die Frage ist nur: Wie macht man das denn?

Dabei gibt es eine merkwürdige Diskrepanz.

Der Stand der Technik entwickelt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter. Maschinen, Computer, Medizin, Energieversorgung – fast überall erleben wir einen technischen Fortschritt, der sich inzwischen eher noch beschleunigt.

Beim Stand der Gesellschaftstechnik sieht die Entwicklung merkwürdig anders aus. Dort ist ein vergleichbarer Fortschritt kaum zu erkennen. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass wir bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme zunehmend schlechter statt besser werden.

Der Stand der Technik steigt rasant.
Der Stand der Gesellschaftstechnik scheint eher zu fallen.

Wie kann das sein?

Nun, ich bin Erfinder, habe schon einige Patente zur Optimierung von Wärmepumpensystemen angemeldet und werde auch heute oder morgen wieder eines anmelden, das ein grundlegendes Problem dieser aus guten Gründen umstrittenen Heizungstechnologie löst.

Ich kann Ihnen also verraten, wie man das macht mit dem Neuerfinden.

Es ist sogar durch die Struktur einer Patentschrift beschrieben. Die beginnt nämlich immer damit, dass man den Stand der Technik beschreibt und seine Schwachstellen offenlegt. Die Kritik am Stand der Technik steht also am Anfang jeder Neuerfindung.

Kritik und Unzufriedenheit sind die Wurzel der Erfindung.

Brauchen wir also mehr davon?

Nun haben wir Kritik schon seit Jahren reichlich. Man muss nur in die sozialen Medien schauen, wie sich da einige Kritiker ganz intensiv betätigen. Und diese AfD macht doch auch den ganzen Tag nichts anderes?

Wir sind also schon dabei, den Stand unserer Gesellschaftstechnik zu analysieren. Kritik ist vorhanden, aber sie ist bisher nicht konstruktiv – oder?

Nun, ich hätte vorzuschlagen, dass die Kritiker in diesem Land an fehlender Legitimität leiden. Die sogenannte Brandmauer steht ja zum Beispiel für die Delegitimierung der blauen Kritik.

Nun werden viele einwenden, dass wir diesen Stand der Gesellschaftstechnik doch aus guten historischen Gründen haben. Dieses Argument übersieht aber, dass gesellschaftlicher Barbarei immer gesellschaftliches Scheitern vorausgeht. Wenn wir uns konstruktiv neu erfinden, werden wir aber gar nicht erst scheitern.

Und man darf auch sehen, dass dieses Argument von Vertretern des Standes der Gesellschaftstechnik regelmäßig missbraucht wurde. So wurde unter Mao der „Kampf gegen Rechts“ zur Legitimation politischer Verfolgung genutzt. Auch die DDR legitimierte die Mauer, indem sie als „antifaschistischer Schutzwall“ geframt wurde.

Das Argument „Nie wieder“ kann man also genauso gegen die Idee verwenden, dass Kritik aus guten Gründen delegitimierbar sein sollte.

Wir halten fest:

Wer Kritik delegitimiert, kann den Stand der Gesellschaftstechnik nicht verbessern.

So einfach ist das.

Bei einem richtigen Patent würden dem Prüfer jetzt Zweifel an der erfinderischen Höhe kommen, die auf dieser Problemanalyse aufbaut. Es ist ja naheliegend.

Wir haben den Stand der Gesellschaftstechnik also jetzt mit seinem Problem erkannt: Wir scheitern schon ganz am Anfang eines gesellschaftlichen Innovationsprozesses – bei der Schwachstellenanalyse des Standes der Gesellschaftstechnik.

Nun müssen wir aber im Weiteren eine Beschreibung liefern, wie eine neue Lösung aussehen könnte.

Nun, die Lösung für das Ausgangsproblem leidet an geringer erfinderischer Höhe:

Wir legitimieren einfach jede Kritik am Stand der Gesellschaftstechnik.

Aber nun kommt die eigentliche erfinderische Leistung, die man aufgrund der eigentlich hinreichenden Vorarbeit großer Philosophen wie zum Beispiel Hegel auch nur mit geringem Neuheitswert erkennen muss.

Der Stand der Gesellschaftstechnik ist die These.
Die Kritik ist die Antithese.
Die Lösung ist die Synthese.

In einer Patentschrift arbeitet man oft mit Ausführungsbeispielen.

Ausführungsbeispiel 1

These: Klimaschutz muss sein.

Antithese: Klimaschutz ruiniert uns.

Synthese: Dann lasst uns doch Klimaschutz einfach wirtschaftlich machen.

Ausführungsbeispiel 2

These – Stand der Gesellschaftstechnik: Sonne und Wind müssen wegen des Klimaschutzes unsere Energielieferanten sein. Heizen müssen wir deshalb auch mit Wärmepumpen, die mit diesem regenerativen Strom betrieben werden.

Antithese: Sonne und Wind sind keine planbar zur Verfügung stehenden Energieformen. Der ganze Plan führt zu unbezahlbarer Energie und in der Folge zur Deindustrialisierung. Wärmepumpen haben ein Lastprofil, das in Kältewellen zu einem extremen Lastpeak führt, der ganz Europa in einer Kältewelle in den Blackout führen kann.

Synthese: Wenn wir dann und nur dann elektrisch heizen und kühlen, wenn wir auch Strom aus Sonne und Wind dafür übrig haben, ist ein Großteil der Probleme der Energiewende gelöst.

Mit einer Hybridheizung aus alter Heizung und neuer Wärmepumpe kann sich jeder gern an dieses schwankende Angebot anpassen, wenn sich dies dank Marktpreisen für ihn auszahlt.

Wir dürfen den alten Kessel und das Gasnetz nur nicht abreißen, sondern müssen die Synergie suchen.

Und wenn wir uns die makroökonomischen Daten dieses Landes anschauen, dann brauchen wir ökonomisch kaum etwas dringender als Bürger, die real in Deutschland in ihr Wohneigentum investieren.

So könnte ein Ausführungsbeispiel aussehen. Das Prinzip These – Antithese – Synthese ist aber völlig universell.

Wir können es auf den drohenden Krieg mit Russland anwenden oder auf unsere sozialen Probleme.

Testen Sie es in den Kommentaren: Nennen Sie eine These oder Antithese – ich schlage Ihnen eine Synthese vor. Die muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein, kann dann aber mit der gleichen Methodik weiter verfeinert werden.

Das Prinzip hat kein Funktionsproblem. Es hat ein Anwendungsproblem!

Sie denken heute noch nicht so.

Und das wird die eigentliche Frage: Lernt ihr so zu denken, oder müssen das andere machen? Nerdige Erfinder wie meiner einer – eventuell in Zusammenarbeit mit KI?

Die vierte Gewalt ist ja der große Versager in diesem Spiel. Sie könnte beim Erfinden der Gesellschaft eine Schlüsselrolle spielen. Aber auch dort wird bisher das Spiel der illegitimen Kritik gespielt.

Ich komme zu dem, womit auch eine Patentschrift endet: den Ansprüchen.

Anspruch 1

Gesellschaft mit Menschen,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Menschen die Neukonstruktion von Gesellschaft genauso denken, wie man technische Prozesse neu denkt.

Anspruch 2

Gesellschaft nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

dass jede Kritik am Stand der Gesellschaftstechnik legitim ist.

Anspruch 3

Gesellschaft nach den Ansprüchen 1 und 2,

dadurch gekennzeichnet,

dass Lösungen konstruktiv nach dem Prinzip These – Antithese – Synthese gefunden werden.





Als Ergänzung noch ein Ausführungsbeispiel für ein etwas größeres Problem.

Unsere Volkswirtschaftslehre.

Auch dort können wir genauso vorgehen: den Stand der Technik beschreiben, seine Schwachstellen suchen, die Kritik daran zulassen – und anschließend neu konstruieren.

Dabei stößt man ziemlich schnell auf ein Problem: Unsere Ökonomen erklären den Kapitalismus noch immer wesentlich aus dem Tausch.

Vielleicht ist aber schon diese technische Zeichnung falsch.

Wenn man stattdessen beim Kauf, bei der Schuld und bei den daraus entstehenden Salden beginnt, sieht der Kapitalismus plötzlich anders aus. Und einige seiner scheinbar unlösbaren Probleme werden zu Konstruktionsproblemen.

Wir können also sogar versuchen, unsere Volkswirtschaftslehre neu zu erfinden.

Und mit ihr vielleicht auch den Kapitalismus.

Vielleicht müssen wir den Kapitalismus gar nicht abschaffen. Vielleicht müssen wir ihn nur endlich richtig verstehen – und neu erfinden.

Genau darum geht es bei der Kaufwirtschaft.

Mehr dazu unter kaufwirtschaft.de.

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