
Wie man Menschen dazu bringt, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht wollen
„Natürlich will das Volk keinen Krieg.“
So beginnt eine der bemerkenswertesten Äußerungen, die uns aus der unmittelbaren Umgebung der Nürnberger Prozesse überliefert sind. Ihr Urheber macht die Beschäftigung damit zunächst unangenehm: Hermann Göring, einer der führenden Nationalsozialisten und später vom Internationalen Militärgerichtshof als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.
Aber eine Aussage wird nicht dadurch falsch, dass ein Verbrecher sie ausgesprochen hat. Vielleicht sollten wir sogar besonders aufmerksam zuhören, wenn jemand, der an einem verbrecherischen Herrschaftssystem an führender Stelle beteiligt war, anschließend beschreibt, wie Menschen dazu gebracht werden können, einen Krieg mitzutragen, den sie selbst eigentlich gar nicht wollen.
Denn Göring beschreibt hier aus meiner Sicht nichts anderes als eine Methode der Manipulation. Und wenn diese Methode tatsächlich funktioniert, könnte es für unser Überleben wichtiger sein, sie zu verstehen, als ihren Urheber einfach nur zu verachten.
Googeln Sie diesen Satz einmal
Wenn Sie Zweifel haben, ob das Zitat echt ist, machen Sie etwas sehr Vernünftiges: Prüfen Sie es selbst. Geben Sie einfach „Natürlich will das Volk keinen Krieg“ in eine Suchmaschine ein.
Das Gespräch ist tatsächlich dokumentiert. Der amerikanische Psychologe Gustave M. Gilbert sprach am 18. April 1946 während der Nürnberger Prozesse mit Göring und hielt die Unterhaltung in seinem später veröffentlichten Nuremberg Diary fest. Göring sagte diese Worte also nicht als Aussage vor dem Nürnberger Gericht, sondern in einem Gespräch mit Gilbert während seiner Haft.
Diese Unterscheidung ist richtig und wichtig. Sie macht aus dem Gespräch aber keine Fälschung.
Interessant wird für mich deshalb bereits die Art, wie wir heute Informationen prüfen. Denn Manipulation muss keineswegs darin bestehen, Menschen falsche Tatsachen vorzusetzen. Sehr viel raffinierter kann es sein, mit richtigen Tatsachen einen bestimmten Eindruck zu erzeugen. Ein Detail wird hervorgehoben, ein bestimmter Kontext hergestellt, eine Assoziation ausgelöst – und plötzlich beschäftigen wir uns nicht mehr mit dem Inhalt einer Aussage, sondern damit, in welche Schublade sie gehört.
„Fakenews“, „Verschwörungstheorie“, „rechts“, „Propaganda“, „Mainstream“ – solche Begriffe können berechtigt sein. Sie können aber auch etwas mit unserem Denken machen. Sobald wir den Absender oder eine Aussage eingeordnet haben, entsteht das Gefühl, bereits zu wissen, was davon zu halten ist.
Vielleicht beginnt Manipulation deshalb nicht erst dort, wo jemand bestimmt, was wir denken. Sie kann schon dort beginnen, wo jemand beeinflusst, in welchem Zustand wir darüber nachdenken.
Was Göring beschreibt, ist Manipulation
Gilbert hatte Göring entgegengehalten, dass gewöhnliche Menschen ihren politischen Führern kaum dankbar sein dürften, wenn diese ihnen Krieg und Zerstörung brächten.
Görings Antwort beginnt mit einer Banalität: Natürlich wolle das Volk keinen Krieg. Warum sollte ein einfacher Landarbeiter sein Leben aufs Spiel setzen, wenn das Beste, was er dabei gewinnen könne, darin bestehe, mit heilen Knochen zurückzukommen? Das gelte für Menschen in Russland genauso wie in England, Amerika oder Deutschland.
Dann kommt der entscheidende Gedanke. Göring behauptet, dass letztlich die Führungen eines Landes die Politik bestimmten und dass es immer möglich sei, die Bevölkerung zum Mitmachen zu bringen – unabhängig davon, ob es sich um eine faschistische oder kommunistische Diktatur, ein Parlament oder eine Demokratie handele.
Gilbert widerspricht genau an dieser Stelle. In einer Demokratie habe das Volk schließlich durch seine gewählten Vertreter ein Wort mitzureden; in den Vereinigten Staaten könne nur der Kongress einen Krieg erklären.
Und darauf beschreibt Göring seine Methode.
Sinngemäß sagt er: Man müsse den Menschen nur erklären, sie würden angegriffen. Anschließend müsse man den Pazifisten mangelnden Patriotismus vorwerfen und behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Dann könne man die Menschen zum Mitmachen bringen.
Seine abschließende Behauptung ist ungeheuerlich: Diese Methode funktioniere in jedem Land.
Das ist die These, die mich interessiert.
Nicht Göring.
Uns.
Die vielleicht wichtigste deutsche Frage
Gerade wir Deutschen haben gelernt, die Verbrechen des Nationalsozialismus moralisch zu beurteilen. Das ist richtig und notwendig. Aber wenn „Nie wieder“ tatsächlich funktionieren soll, genügt es nicht zu wissen, dass Hitler, Göring und das nationalsozialistische System verbrecherisch waren.
Wir müssen zusätzlich verstehen, wie Menschen dazu gebracht werden konnten, diesen Weg mitzugehen.
Das entlastet keinen Täter von seiner persönlichen Verantwortung. Die deutsche Gesellschaft bestand zudem keineswegs nur aus einer manipulierten Masse und einigen wenigen Verantwortlichen. Es gab Täter, Mittäter, Profiteure, Angepasste, Widerständler und Opfer. Verantwortung bleibt individuell und historisch zu unterscheiden.
Aber gerade deshalb halte ich eine zweite Frage für unverzichtbar: Welche psychologischen Mechanismen machten Menschen für dieses System, seine Feindbilder und schließlich seinen Krieg mobilisierbar?
Denn vielleicht ist die bequemste Konsequenz aus unserer Geschichte der Satz: „Ich wäre niemals so gewesen.“
Die wesentlich unangenehmere Konsequenz lautet: „Woher weiß ich eigentlich, dass dieselben psychologischen Mechanismen bei mir nicht funktionieren?“
Wir erkennen Propaganda und Manipulation heute hervorragend, wenn sie achtzig Jahre zurückliegen, Schwarz-Weiß-Bilder zeigen und von Menschen betrieben wurden, deren Verbrechen wir kennen. Die wirklich schwierige Frage ist, ob wir Manipulation auch dann erkennen, wenn sie unseren eigenen moralischen Überzeugungen entspricht.
Man muss Menschen nicht dazu bringen, Krieg zu wollen
Und damit sind wir bei Görings vielleicht wichtigster Beobachtung.
Wenn seine Beschreibung zutrifft, muss man Menschen überhaupt nicht davon überzeugen, dass Krieg etwas Gutes ist. Das wäre wahrscheinlich viel zu schwierig. Man muss Menschen, die Krieg ablehnen, lediglich davon überzeugen, dass ihnen keine andere Wahl mehr bleibt.
Der Mensch kann weiterhin sagen: „Ich hasse Krieg.“ Er kann sich weiterhin für friedliebend halten. Er kann Krieg sogar für das größte Übel überhaupt halten.
Wenn er aber gleichzeitig überzeugt ist, dass ein gefährlicher Gegner ihn angreifen wird, sobald er sich nicht verteidigt, verändert sich die Situation vollständig. Dann unterstützt er Waffen, Aufrüstung und möglicherweise irgendwann militärische Gewalt gerade deshalb, weil er Frieden will.
Das ist das Verstörende an Görings Beobachtung.
Man muss Menschen möglicherweise gar nicht dazu bringen, einen Krieg zu wollen. Man muss sie nur davon überzeugen, dass der Krieg notwendig ist, um etwas zu schützen, das sie lieben.
Und jetzt wird aus Geschichte Psychologie.
Wenn wir nicht mehr bedenken, sondern beurteilen
Menschen können offensichtlich in Zustände geraten, in denen Angst, Wut, Gruppenzugehörigkeit und moralische Überzeugungen ihr Denken stark beeinflussen. Im Alltag sprechen wir davon, dass jemand „im Affekt“ handelt oder „nicht mehr bei Verstand“ sei. Juristisch sind solche Begriffe sehr viel enger: Ein gewöhnlicher emotionaler oder politischer Affekt bedeutet selbstverständlich nicht automatisch Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit. Das Strafrecht verlangt dafür erheblich schwerwiegendere Voraussetzungen.
Interessant ist für mich aber der Gedanke dahinter: Unser Zustand beeinflusst unser Denken und Handeln.
Hier hilft mir die Transaktionsanalyse als Denkmodell. Sie unterscheidet zwischen Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kindheits-Ich. Das sind keine anatomisch voneinander getrennten Hirnbereiche. Aber das Modell beschreibt etwas, das wir alle kennen: Wir denken, fühlen und urteilen – und bemerken den Wechsel zwischen diesen Zuständen keineswegs immer selbst.
Und genau darin steckt ein gewaltiges Manipulationspotenzial.
Vielleicht muss ein Manipulator meine Argumente überhaupt nicht widerlegen. Vielleicht reicht es, wenn er mich aus einem analysierenden Zustand in einen Zustand von Angst, Empörung, Schuld oder moralischer Entrüstung versetzt.
Dann verändert sich die Frage.
Sie lautet nicht mehr: „Was geschieht hier eigentlich?“
Sie lautet plötzlich: „Auf welcher Seite stehst du?“
Und deshalb versuche ich inzwischen bei gesellschaftlichen Fragen ganz bewusst, zwei Begriffe auseinanderzuhalten:
BEDENKEN statt BEURTEILEN.
Natürlich müssen wir am Ende urteilen. Aber das Urteil sollte nach dem Denken kommen und nicht an dessen Stelle treten.
Vielleicht kann uns ausgerechnet KI dabei helfen
Hier eröffnet künstliche Intelligenz eine interessante Möglichkeit. Nicht weil eine KI automatisch die Wahrheit kennt. Auch sie kann irren, Informationen falsch gewichten oder Vorurteile reproduzieren.
Aber erstmals besitzen wir ein Werkzeug, das wir ausdrücklich damit beauftragen können, unserer eigenen Überzeugung zu widersprechen.
Ich kann eine KI fragen: Was ist das stärkste Argument meines Gegners? Welche meiner Tatsachenbehauptungen sind überprüfbar falsch? Welche Information könnte meine Meinung widerlegen? Auf welcher Bezugsebene könnte mein Gegner recht haben? Wo verwechsle ich Tatsachenbehauptungen mit moralischen Urteilen?
Vielleicht liegt darin eine der gesellschaftlich interessantesten Anwendungen künstlicher Intelligenz überhaupt.
Die KI muss nicht für uns denken. Sie könnte uns dabei helfen zu bemerken, wenn wir selbst aufgehört haben zu denken.
Und nun wenden wir Görings Behauptung auf die gefährlichste Frage unserer Gegenwart an.
Natürlich will auch heute niemand den großen Krieg
Russland hat 2022 die Ukraine angegriffen. Die russische Führung trägt die Verantwortung für diese Entscheidung.
Aber mit der Feststellung der Verantwortung beginnt für mich erst die verantwortungsethische Analyse. Denn wenn unser Ziel nicht die moralische Bewertung der Vergangenheit, sondern die Verhinderung eines noch größeren zukünftigen Krieges ist, müssen wir nach Ursachen, Wahrnehmungen und Rückkopplungen fragen.
Heute stehen sich in Europa zwei Seiten gegenüber, die zunehmend davon überzeugt sind, vom jeweils anderen bedroht zu werden.
Wir fühlen uns von Russland bedroht.
Russland fühlt sich von NATO und Westen bedroht.
Nun können wir endlos darüber streiten, wessen Bedrohungsgefühl moralisch berechtigt ist. Für die Verhinderung eines Krieges ist aber zunächst etwas anderes entscheidend: Beide Bedrohungswahrnehmungen erzeugen reales politisches und militärisches Handeln.
Russland fühlt sich bedroht und rüstet auf. Wir sehen die russische Aufrüstung und fühlen uns dadurch noch stärker bedroht. Also rüsten wir ebenfalls auf. Russland betrachtet wiederum unsere Aufrüstung als Bestätigung seiner ursprünglichen Befürchtung und reagiert darauf.
Beide Seiten können dabei vollkommen aufrichtig sagen:
„Wir verteidigen uns nur.“
Und trotzdem können sich beide gemeinsam immer näher an den Abgrund bewegen.
Der alte DDR-Witz bekommt plötzlich eine erschreckende Aktualität:
Gestern standen wir am Abgrund. Heute sind wir einen Schritt weiter.
Und genau jetzt sollten wir Göring noch einmal lesen
Seine Behauptung war nicht, dass Menschen Krieg lieben.
Sie war genau das Gegenteil:
„Natürlich will das Volk keinen Krieg.“
Seine düstere Pointe bestand darin, dass Menschen keinen Krieg wollen müssen, um trotzdem für einen Krieg mobilisierbar zu werden. Nach seiner Beschreibung genügt es, ihnen glaubhaft zu machen, dass sie angegriffen werden – und anschließend diejenigen unter moralischen Verdacht zu stellen, die den eingeschlagenen Weg infrage stellen.
Deshalb sollten bei uns sämtliche Alarmglocken klingeln, sobald in einer aufgeheizten Situation Argumentationsmuster auftauchen wie: Wer Verhandlungen fordert, hilft dem Gegner. Wer die eigene Strategie kritisiert, gefährdet unsere Sicherheit. Wer nach den Sicherheitsinteressen des Gegners fragt, rechtfertigt dessen Verbrechen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass solche Vorwürfe immer falsch sein müssen.
Genau das wäre wieder nur ein Urteil.
Es bedeutet vielmehr, dass wir bei solchen Argumenten besonders sorgfältig prüfen sollten, ob hier noch über die richtige Strategie gestritten wird oder bereits moralischer Druck eingesetzt wird, um eine Strategie der rationalen Prüfung zu entziehen.
Das wäre Manipulation.
Und genau davor warnt uns ausgerechnet Göring.
Frieden beginnt auch im Kopf des Gegners
Wenn Russland sich von uns bedroht fühlt, können wir dieses Gefühl für unbegründet, übertrieben oder propagandistisch erzeugt halten.
Das ändert zunächst nichts daran, dass es existiert.
Und wenn dieses Gefühl politische und militärische Entscheidungen einer Atommacht beeinflusst, wäre es geradezu irrational, diese Bedrohungswahrnehmung bei unserer eigenen Strategie nicht zu berücksichtigen.
Das bedeutet nicht, dass Russland bekommt, was Russland verlangt. Es bedeutet nicht, den Angriff auf die Ukraine zu rechtfertigen. Und es bedeutet auch nicht, die Sicherheitsinteressen der Ukraine oder anderer osteuropäischer Staaten den russischen Interessen unterzuordnen.
Es bedeutet etwas viel Schwierigeres:
Wir müssen eine Sicherheitsordnung suchen, in der unsere Sicherheit nicht zwangsläufig als Bedrohung der russischen Sicherheit erscheint – und russische Sicherheit nicht auf Kosten unserer Sicherheit hergestellt wird.
Wenn ich verhindern möchte, dass ein bewaffnetes Gegenüber aus Angst schießt, muss mich interessieren, wovor es Angst hat. Ob ich diese Angst moralisch für gerechtfertigt halte, ist dafür zunächst zweitrangig.
Das ist keine Unterwerfung.
Das ist Verantwortungsethik.
Die eigentliche Göring-Methode
Vor achtzig Jahren saß ein zum Tode verurteilter deutscher Kriegsverbrecher in seiner Nürnberger Gefängniszelle und erklärte einem amerikanischen Psychologen, wie man seiner Ansicht nach Menschen für einen Krieg mobilisieren könne, den sie selbst überhaupt nicht wollten.
Vielleicht irrte Göring.
Ich hoffe es.
Aber auf diese Hoffnung sollten wir unser Überleben nicht gründen.
Wir sollten seine Behauptung stattdessen gegen uns selbst testen. Nicht ständig fragen: „Wer manipuliert die anderen?“, sondern viel unangenehmer:
„Woran erkenne ich eigentlich, dass gerade ich manipuliert werde?“
Vielleicht beginnt die Antwort in dem Moment, in dem ich Angst bekomme. In dem Moment, in dem aus einem politischen Gegner ein Feind wird. In dem Moment, in dem ich einen Widersprechenden nicht mehr widerlegen möchte, sondern moralisch verurteile. Und spätestens in dem Moment, in dem die Frage „Was soll dabei herauskommen?“ bereits als Verrat an der richtigen Sache erscheint.
Dann sollten wir nicht aufhören zu denken.
Dann sollten wir erst anfangen zu denken.
Denn natürlich will das Volk keinen Krieg.
Die Kunst der Manipulation besteht nicht darin, Menschen dazu zu bringen, Krieg zu wollen. Sie besteht darin, Menschen, die keinen Krieg wollen, davon zu überzeugen, dass ihnen keine andere Wahl mehr bleibt.
Vielleicht besteht die wichtigste deutsche Konsequenz aus unserer Geschichte genau darin, diesen Moment beim nächsten Mal rechtzeitig zu erkennen.
Of Course the People Don’t Want War
How people can be made to do something they do not actually want to do
“Of course the people don’t want war.”
This is how one of the most remarkable statements preserved from the immediate context of the Nuremberg trials begins. Its author makes engaging with it uncomfortable: Hermann Göring, one of the leading figures of National Socialism, later sentenced to death by the International Military Tribunal as a war criminal.
But a statement does not become false because it was made by a criminal. Perhaps we should listen especially carefully when someone who played a leading role in a criminal regime later describes how people can be persuaded to support a war they themselves do not actually want.
Because, in my view, what Göring describes here is nothing other than a method of manipulation. And if that method really works, understanding it may be more important for our survival than simply despising the man who described it.
Google this sentence
If you have doubts about whether the quotation is authentic, do something perfectly reasonable: check it yourself. Simply type “Of course the people don’t want war” into a search engine.
The conversation is indeed documented. The American psychologist Gustave M. Gilbert spoke with Göring on April 18, 1946, during the Nuremberg trials and recorded the conversation in his subsequently published Nuremberg Diary. Göring therefore did not make these remarks as testimony before the Nuremberg tribunal, but in a conversation with Gilbert while in detention.
That distinction is correct and important. But it does not turn the conversation into a fabrication.
And this is where, for me, the way we verify information today already becomes interesting. Manipulation does not necessarily consist of presenting people with false facts. It can be far more sophisticated to use correct facts to create a particular impression. One detail is highlighted, a particular context is established, an association is triggered — and suddenly we are no longer examining the substance of a statement, but deciding which box it belongs in.
“Fake news”, “conspiracy theory”, “right-wing”, “propaganda”, “mainstream” — such labels can be justified. But they can also do something to our thinking. Once we have classified the speaker or the statement, we get the feeling that we already know what to think about it.
Perhaps manipulation does not begin only when someone determines what we think. It may begin when someone influences the state of mind in which we think about it.
What Göring describes is manipulation
Gilbert had pointed out to Göring that ordinary people could hardly be grateful to political leaders for bringing them war and destruction.
Göring’s answer begins with something almost banal: of course ordinary people do not want war. Why should an ordinary farm worker risk his life when the best he can hope to gain is to return home in one piece? That applies to people in Russia just as much as to people in England, America or Germany.
Then comes the crucial point. Göring argues that, ultimately, the leaders of a country determine policy and that the population can be brought along regardless of whether the political system is a fascist or communist dictatorship, a parliament or a democracy.
Gilbert objects precisely at this point. In a democracy, after all, the people have a say through their elected representatives; in the United States, for example, only Congress can declare war.
And Göring then describes his method.
In essence, he says that people need only be told that they are under attack. Those who oppose war can then be accused of lacking patriotism and of endangering their country.
His final claim is outrageous:
This method works in every country.
That is the proposition that interests me.
Not Göring.
Us.
Perhaps the most important German question
We Germans have learned to judge the crimes of National Socialism morally. That is right and necessary. But if “Never Again” is actually supposed to work, it is not enough to know that Hitler, Göring and the National Socialist system were criminal.
We must also understand how people could be brought to follow such a path.
That does not absolve any perpetrator of personal responsibility. German society was certainly not simply a manipulated mass controlled by a handful of responsible leaders. There were perpetrators, accomplices, beneficiaries, conformists, resisters and victims, with very different roles and degrees of personal responsibility.
But precisely for that reason, I consider a second question indispensable: what psychological mechanisms made people susceptible to this system, its images of the enemy and ultimately its war?
Because perhaps the most comfortable lesson we can draw from our history is:
“I would never have been like that.”
The far more uncomfortable lesson is:
“How do I actually know that the same psychological mechanisms would not work on me?”
Today, we are excellent at recognising propaganda and manipulation when they lie eighty years in the past, appear in black-and-white footage and were practised by people whose crimes we already know.
The truly difficult question is whether we can recognise manipulation when it happens to support our own moral convictions.
You don’t have to make people want war
And this brings us to perhaps Göring’s most important observation.
If his description is correct, there is no need whatsoever to convince people that war is a good thing. That would probably be far too difficult. People who reject war need only be convinced that they have no other choice.
A person can continue to say, “I hate war.” They can continue to consider themselves peace-loving. They can even regard war as the greatest evil imaginable.
But if, at the same time, they become convinced that a dangerous enemy will attack them unless they defend themselves, the situation changes completely. They may then support weapons, rearmament and perhaps eventually military force precisely because they want peace.
That is what is so disturbing about Göring’s observation.
You may not have to make people want war at all. You may only have to convince them that war is necessary to protect something they love.
And now history becomes psychology.
When we stop considering and start judging
Human beings can obviously enter states in which fear, anger, group identity and moral convictions strongly influence their thinking. In everyday language, we might say that someone is “acting in the heat of the moment” or is “no longer thinking straight”. In law, such concepts are much narrower: ordinary emotional arousal does not automatically mean diminished or absent criminal responsibility. The legal thresholds for that are considerably higher.
But what interests me is the underlying principle:
Our mental state affects how we think and act.
This is where I find Transactional Analysis useful as a model. It distinguishes between Parent, Adult and Child ego states. These are not anatomically separate areas of the brain. But the model describes something we all recognise: we think, feel and judge — and we do not necessarily notice when we move from one mode to another.
That creates enormous potential for manipulation.
Perhaps the manipulator does not need to refute my arguments at all. Perhaps it is enough to move me from an analytical state into a state of fear, outrage, guilt or moral indignation.
Then the question changes.
It is no longer:
“What is actually happening here?”
It suddenly becomes:
“Whose side are you on?”
That is an enormous difference.
This is why, when dealing with social and political questions, I increasingly try to distinguish consciously between two things:
CONSIDERING instead of JUDGING.
Of course, in the end we have to make judgements. But judgement should come after thinking, not replace it.
Perhaps AI, of all things, can help us
This is where artificial intelligence opens up an interesting possibility. Not because AI automatically knows the truth. It does not. AI can make mistakes, misjudge information and reproduce biases.
But for the first time, we possess a tool that we can explicitly instruct to argue against our own convictions.
I can ask an AI: What is my opponent’s strongest argument? Which of my factual claims can be shown to be false? What information could disprove my position? At what level of reference might my opponent be right? Where am I confusing factual claims with moral judgements?
Perhaps this will turn out to be one of the most important social applications of artificial intelligence.
AI does not have to think for us. It might help us notice when we ourselves have stopped thinking.
And now let us apply Göring’s proposition to the most dangerous question of our time.
Of course nobody wants a major war today either
Russia attacked Ukraine in 2022. The Russian leadership bears responsibility for that decision.
But for me, establishing responsibility is only the beginning of a responsibility-based analysis. If our objective is not merely to judge the past morally, but to prevent an even greater future war, then we must also examine causes, perceptions and feedback loops.
Today, two sides confront one another in Europe, each increasingly convinced that it is threatened by the other.
We feel threatened by Russia.
Russia feels threatened by NATO and the West.
We can argue endlessly about whose perception of threat is morally justified. But if our aim is to prevent war, something else matters first:
Both perceptions of threat produce real political and military action.
Russia feels threatened and arms itself. We see Russian rearmament and feel even more threatened. So we arm ourselves too. Russia then regards our rearmament as confirmation that its original fears were justified and reacts in turn.
Both sides may say, with complete sincerity:
“We are only defending ourselves.”
And yet both sides may be moving together ever closer to the abyss.
An old East German joke suddenly acquires a disturbing relevance:
Yesterday we stood at the edge of the abyss. Today we are one step further.
And this is precisely when we should read Göring again
His claim was not that people love war.
It was exactly the opposite:
“Of course the people don’t want war.”
His dark point was that people do not have to want war in order to be mobilised for one. According to his description, it is enough to convince them that they are under attack — and then to place those who question the chosen course under moral suspicion.
That is why alarm bells should ring whenever, in an emotionally charged situation, arguments appear along the lines of: Anyone who calls for negotiations is helping the enemy. Anyone who criticises our strategy is endangering our security. Anyone who considers the security interests of the other side is justifying its crimes.
That does not mean such accusations must always be false.
To assume that would merely be another judgement.
It means that whenever such arguments appear, we should examine particularly carefully whether we are still debating the right strategy or whether moral pressure is already being used to shield a strategy from rational scrutiny.
That would be manipulation.
And that is precisely what, of all people, Göring warns us about.
Peace also begins in the mind of the opponent
If Russia feels threatened by us, we may consider that perception unfounded, exaggerated or created by propaganda.
That does not make it disappear.
And if that perception influences the political and military decisions of a nuclear power, it would itself be irrational not to take that perception into account when formulating our own strategy.
That does not mean Russia gets whatever Russia demands. It does not mean justifying the invasion of Ukraine. Nor does it mean subordinating the security interests of Ukraine or other Eastern European states to those of Russia.
It means something much more difficult:
We have to search for a security order in which our security does not inevitably appear as a threat to Russian security — and in which Russian security is not achieved at the expense of ours.
If I want to prevent an armed opponent from firing out of fear, I need to understand what that opponent is afraid of. Whether I consider that fear morally justified is, at first, secondary.
That is not submission.
That is an ethics of responsibility.
The actual Göring method
Eighty years ago, a German war criminal awaiting execution sat in his prison cell in Nuremberg and explained to an American psychologist how, in his view, people could be mobilised for a war they did not actually want.
Perhaps Göring was wrong.
I hope he was.
But we should not base our survival on that hope.
Instead, we should test his proposition against ourselves. We should stop asking only:
“Who is manipulating the others?”
and ask the far more uncomfortable question:
“How would I recognise that I am the one being manipulated?”
Perhaps the answer begins at the moment I become afraid. At the moment a political opponent becomes an enemy. At the moment I no longer want to refute someone who disagrees with me, but to condemn them morally. And certainly at the moment when the question “What will this actually lead to?” is itself treated as a betrayal of the righteous cause.
That is not when we should stop thinking.
That is when we should start thinking.
Because, of course, the people don’t want war.
The art of manipulation is not to make people want war. It is to convince people who do not want war that they no longer have a choice.
Perhaps the most important German lesson from our history is learning to recognise that moment in time.
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