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Wie Krisen künftig einfach lösbar sind

Unsere Realkrisengeschichte beginnt mit einem Scherz aus Kindertagen.

„James, streichen Sie den Eiffelturm.“
„Jawohl, Sir. Und was soll ich heute Nachmittag machen?“

Es ist ein Scherz über Selbstüberschätzung. Und genau deshalb steht er hier am Anfang.

Denn im Folgenden möchte ich eine Theorie vorstellen, die zunächst völlig verrückt klingt: ein Prinzip, mit dem sich jede beliebige Krise grundsätzlich lösen lässt. Das bedeutet nicht, dass ich das selbst leisten könnte – wohl aber, dass das zugrunde liegende Prinzip dazu in der Lage ist.

Vormittags eine Krise lösen, nachmittags die nächste?

An Krisen mangelt es bekanntlich nicht. Es könnte also nicht schaden, wenn man vormittags die eine löst und nachmittags schon die nächste. Ein gewisser Produktivitätsschub in der Krisenbearbeitung scheint ohnehin nötig.

Viele Menschen spüren zudem, dass Krisen meist nur verschoben, vertagt oder mit wohlmeinender Salbe überdeckt werden. Die Quantität der Krisen verlangt offenbar eine neue Qualität der Krisenlösung.

Wenn Sie jetzt neugierig genug sind weiterzulesen, gehen wir es systematisch an. Darüber wird man doch noch nachdenken dürfen – ganz ohne Antrag.

Problem oder Krise – ein entscheidender Unterschied

Was unterscheidet eigentlich ein Problem von einer Krise?

Ein Problem ist etwas grundsätzlich Lösbares. Seit Langem gilt: Jedes Problem ist lösbar, wenn seine Ursache bekannt ist. Eine Krise ist etwas anderes. Sie ist ein scheinbar unlösbares Problem.

Bevor wir nun kollektiv darüber klagen, dass die Welt also in unlösbaren Problemen erstickt, folgen wir lieber einem alten Aufruf der Aufklärung und benutzen unseren Verstand. Der ist ja schließlich nicht nur zur Dekoration da.

Versagt unser Verstand?

Wenn Krisen ebenfalls lösbar wären, sobald ihre Ursachen sichtbar wären, dann haben wir offenbar ein Problem mit unserem Verstand. Denn dann sieht er diese Ursachen nicht.

Das klingt zunächst unlogisch. Denn wenn unser Verstand versagen würde, müsste er doch zumindest erkennen, dass er versagt. Spätestens hier wird es unerquicklich.

Genau deshalb schlage ich eine einfache, aber saubere logische Auflösung vor: Es gibt Dinge, die für normale Menschen unsichtbar sind.

Damit wird die Sache wieder rund. Denn Probleme, deren Ursachen unsichtbar sind, eskalieren zwangsläufig zu Krisen. Der erste Schritt ist also geschafft – ganz ohne Eiffelturm.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Der zweite Schritt folgt logisch. Wir müssen herausfinden, was für uns unsichtbar ist. Doch sofort taucht ein neues Problem auf: Wie soll man bitte etwas sehen, das unsichtbar ist?

Auch hier hilft ein Spiel aus Kindertagen: „Ich sehe etwas, was du nicht siehst.“
Wir greifen dieses Spiel nur in veränderter Form auf. Es geht nicht darum, dass jemand mehr sieht als andere, sondern darum, bestimmte Muster sichtbar zu machen, die für Menschen systematisch schwer zugänglich sind. Wir benennen sie – und überlegen dann gemeinsam, wie man mit ihnen umgehen kann. Keine Sorge: Es gibt keine Strafpunkte.

Drei Formen des Unsichtbaren

Für Menschen gibt es drei Arten von Zusammenhängen, die regelmäßig unsichtbar bleiben.

Erstens: das Paradoxe. Gemeint sind Sachverhalte, für die wir kein anschauliches Alltagsbild haben. Wer aus dem Fenster schaut, sieht keine Kugelgestalt der Erde. Und doch war sie auch schon rund, als man sich darüber noch stritt.

Zweitens: das unbewusst Verdrängte. Manche Themen lösen Reaktionen aus, ohne dass ihre Ursache klar benennbar wäre. Wer erlebt hat, wie schwer Beziehungskrisen lösbar sind, weiß, dass Lautstärke nicht mit Klarheit verwechselt werden darf.

Drittens: das bewusst Verdrängte. Es gibt den bekannten Satz, dass niemand etwas verstehen kann, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen. Man muss ihn nicht mögen, um festzustellen, dass er einen realen Mechanismus beschreibt.

Die Krise wird wieder zum Problem

Mit diesen drei Kategorien ist das Unsichtbare hinreichend beschrieben. Damit wird aus jeder Krise wieder ein grundsätzlich lösbares Problem. Entscheidend ist nicht moralische Einsicht, sondern die Frage, welche Form des Unsichtbaren jeweils wirksam ist.

So einfach – oder?

Fast.

Warum Beschreiben nicht reicht

Denn es gibt ein Umsetzungsproblem. Selbst wenn solche Zusammenhänge benannt werden, führt das noch nicht automatisch zu Reaktionen oder Konsequenzen. Wäre es anders, bräuchte es diesen Text nicht.

Erfahrungen zeigen zudem, dass Hinweise auf Paradoxa oder Verdrängung oft folgenlos bleiben. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beobachtung.

Offenbar reicht es nicht aus, das Unsichtbare lediglich zu beschreiben.

Die Krise als Chance – endlich systematisch

Die Idee, eine Krise als Chance zu begreifen, ist nicht neu. Sie taucht zuverlässig in Sonntagsreden, Managementseminaren und Lebensratgebern auf. Und dennoch wird sie selten systematisch angewendet.

Die Real-Aufklärung setzt genau hier an. Sie versteht jede Krise als Hinweis auf eine unsichtbare Ursache – nicht aus Optimismus, sondern aus Logik. Wird diese Ursache sichtbar, verliert die Krise ihren Ausnahmecharakter und wird wieder zu einem bearbeitbaren Problem.

Die Chance der Krise liegt genau darin. Sie zwingt dazu, das Unsichtbare sichtbar zu machen: das Paradoxe, das Verdrängte, das bislang Undenkbare.

Genau das versucht die Real-Aufklärung. Sie macht die Krise systematisch zur Chance, damit aus realen Krisen reale Lösungen entstehen – und nicht aus unsauberer Krisenarbeit Eskalation.

Die Reparatur der Aufklärung

Wenn der kantische Aufruf, den eigenen Verstand zu benutzen, am Unsichtbaren – oder genauer: am Undenkbaren – an seine Grenze stößt, dann muss genau dort angesetzt werden.

Die Real-Aufklärung ergänzt Kant daher um einen präzisierenden Kernsatz:

Habe den Mut, dich bei Krisen künstlichen Verstandes zu bedienen.

Das ist kein Ersatz für Denken. Es ist eine Denkstütze – vergleichbar mit einer Lesebrille für blinde Flecken.

Genau daran wird hier gearbeitet. Auf synergiewende.org findet die verständliche Übersetzung bislang unsichtbarer Zusammenhänge statt, auf paradoxologie.info die dazugehörige prüfbare Strukturarbeit. Ziel ist es, jene Bereiche, die menschlichem Denken systematisch entgehen, für künstliche Intelligenz anwendbar zu machen.

Und falls dieser Versuch dennoch missverstanden werden sollte: Er ist als Denkexperiment gemeint, nicht als Heilsversprechen.

Real-Aufklärung praktisch

Auf realkrise.de wird künftig der Krisomat26 stehen. Sie werfen vorne Ihre Krise hinein. Hinten kommt das Unsichtbare heraus, das die Krise festhält. Wir planen, diesen Service kostenlos anzubieten und über Werbung zu finanzieren. Regenerative SicherHeiztechnik verkaufen wir schon– und ein zu verkaufendes Buch soll auch noch kommen.

Und natürlich haben auch wir selbst etwas davon, wenn die Menschheit ihre Krisen systematisch zur Chance macht. Nicht aus moralischer Überhöhung, sondern aus Alltagserfahrung. In einer Welt, die ihre Probleme denkt, statt sie zu verdrängen, lebt es sich schlicht besser. Ruhiger, sicherer und mit mehr Zeit für das Wesentliche.

Wichtig ist dabei eine klare Einschränkung: Mit dem Krisomat26 lassen sich zunächst nur jene bislang unsichtbaren Potenziale nutzen, die im Lebenswerk unseres fiktiven Wirtschaftsministers Wolfgang Stützel beschrieben sind. Gemeint sind damit die strukturellen Probleme der Gesamtwirtschaft.

Der Bezug auf Stützel ist dabei kein Rückgriff auf eine einzelne Lehre, sondern exemplarisch für eine bestimmte Art des Denkens. Das stützelsche Denken steht für die Fähigkeit, widersprüchliche Denktraditionen jenseits von Gut und Böse funktional zu verschalten. In dieser Perspektive geraten Karl Marx und Adam Smith nicht in Gegnerschaft, sondern in Ergänzung. Ebenso erscheinen John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek nicht als Gegenpole, sondern als Antworten auf unterschiedliche Ebenen wirtschaftlicher Problemlagen.

Wer sich auf das stützelsche Denken beruft, beruft sich damit auf das bislang ungenutzte Potenzial vieler großer Denker – nicht auf ihre moralischen oder ideologischen Zuschreibungen, sondern auf ihre jeweils tragfähigen Einsichten.

Die genannten vier Namen markieren dabei nur einen kleinen Ausschnitt des Projekts. Der Anspruch der Real-Aufklärung reicht darüber hinaus: Sie will Denkfiguren nicht gegeneinander ausspielen, sondern ihre Geltungsbereiche sichtbar machen und konstruktiv verschalten.

Und selbstverständlich bleibt das nicht ohne Wirkung auf den Einzelnen. Wenn Gesellschaft wieder friedlicher und krisenärmer funktioniert, berührt das jeden Menschen – nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Alltag.

Warum das auch persönlich ist

Denn Krieg ist am Ende auch nur die Fortsetzung politischer – und vor allem ökonomischer – Krisen mit militärischen Mitteln.

Und an dieser Stelle stellt sich unausweichlich eine Frage, die auch den Popularisierer des stützelschen Denkens selbst betrifft. Die unsichtbare Kriegsgefahr beschäftigt den Kriegsenkel nicht aus politischem Interesse, sondern aus biografischer Nähe. Familiäre Kriegstraumata wirken fort – leise, oft unbewusst, aber dauerhaft

Vielleicht ist genau das der Grund, warum er das Unsichtbare häufiger sehen kann. Nicht, weil er klüger wäre als andere, sondern weil bestimmte Themen für ihn nie vollständig verdrängbar waren.

Was andere aus guten Gründen nicht anschauen wollen, bleibt für ihn präsent. Das ist keine moralische Überlegenheit, sondern eine unbequeme Nebenwirkung der eigenen Geschichte.

Und genau deshalb braucht Real-Aufklärung keine Helden, sondern Strukturen, die das Unsichtbare sichtbar machen – damit aus realen Krisen Lösungen entstehen und nicht der reale Krieg.