Viele Menschen in Europa mögen Donald Trump nicht. Auch der Fernseher lobt ihn nur selten. Er steht quer zu unseren Moralvorstellungen. Manche halten ihn sogar für etwas Teuflisches, für einen „Trumpisto“, der sich in die Politik verirrt habe.

Wenn das so ist, dann lohnt sich ein Blick auf den Teufel selbst.
Und wer hat über ihn geschrieben? Goethe.
In Faust tritt Mephisto vor den Herrn – und spricht jenen Satz, der uns bis heute irritieren sollte:
„Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“
Was, wenn dieser Satz mehr über unsere Welt sagt, als uns lieb ist?
Und was, wenn er – ganz unabhängig von Goethe – auch heute noch gilt?
Nehmen wir einmal nicht an, dem Dichter sei tatsächlich der Teufel erschienen. Dann bleibt etwas anderes: Goethe wollte uns etwas zeigen. Etwas, das schwer verdaulich ist und dem sich Menschen seit jeher widersetzen.
Unsere Welt ist durch und durch paradox.
Das bedeutet: Vieles, was uns im linearen Denken richtig erscheint, ist für die reale Welt um 180 Grad falsch. Wer das Paradoxe übersieht, erleidet einen Realitätsverlust.
Ein einfaches Beispiel:
Die Sonne geht nicht im Osten auf und im Westen unter – auch wenn es so aussieht. Seit der kopernikanischen Wende zweifelt daran niemand mehr. Wir wissen: Unsere Wahrnehmung täuscht uns.
Warum sollte das bei politischen und moralischen Fragen anders sein?
Eine trumpsche Wende der Wahrnehmung?
Vielleicht brauchen wir heute eine ähnliche Irritation.
Nennen wir sie – vorsichtig – eine trumpsche Wahrnehmungswende.
Dazu entwerfen wir einmal spielerisch Faust III und erfinden einen Sohn des Mephisto. Eine klassische Vater-Sohn-Geschichte. Der Junior will nicht so werden wie der Alte. Er will das Gute.
Nennen wir ihn Wokisto.
Und leider muss Wokisto – in einer paradoxen Welt – mit einem Satz auftreten, der zunächst harmlos klingt, aber erschreckend vertraut ist:
„Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das Gute will und Böses schafft.“
Spätestens hier sind wir geneigt, mit Faust zu seufzen:
„Da steh ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.“
Wokisto und Mephisto im Parlament
Heute sitzen Wokisto und Mephisto sogar im Bundestag.
Getrennt durch eine Brandmauer, verbunden durch einen offenen Vater-Sohn-Konflikt.
Die Mephisto-Fraktion hat keine guten Ziele.
Die regierende Wokisto-Fraktion hat gute Ziele – scheitert aber an den Wegen.
Und dieses große Scheitern hat gerade erst begonnen.
Doch der Alte ist auch keine Alternative für Deutschland.
Was also tun?
Die Antwort ist banal – und radikal zugleich: Synergie.
Man nimmt von Wokisto die guten Ziele.
Und von Mephisto die realitätsfesten Wege.
So funktioniert Synergie nun einmal.
Das Machtproblem
Nur gibt es ein Problem: die Macht.
Wokisto kontrolliert die Institutionen. Selbst wenn man ihn aus dem Parlament verdrängte, würden seine Institutionen weiter gegen jede Korrektur arbeiten – notfalls sogar gegen die Legislative.
Aber auch dieses Problem ist kleiner, als es scheint.
Wokisto müsste nur eines lernen:
die schlechten Ergebnisse seiner Wege nicht länger zu verdrängen.
Und genau hier kommen wir zurück zu Trump.
Das Trump-Paradox
Donald Trump hat uns – unbeabsichtigt – etwas gezeigt, das wir nicht sehen wollten:
In Kriegen geht es nicht um Moral. Es geht um Interessen.
Nicht um Gut und Böse.
Sondern um Macht, Kalkül und reale Kosten.
Der Mephisto-ähnliche Trump hat uns damit einen Moment der Realität zugemutet. Und so paradox es klingt: Er hat uns damit möglicherweise vor dem Darwin Award bewahrt.
Nicht, weil er gut wäre.
Sondern weil er uns ent-täuscht hat.
Wie uns der ent-täuschende Donald Trump uns um den Darwin Award brachte
Wir waren bereit. Zumindest wurde es so verkündet.
„Bereit für den Fight tonight“, sagte General Christian Freuding. (FAZ)
Bereit – schon wieder. Nachdem Deutschland in zwei Weltkriege wesentlich verwickelt war, wären wir auch beim dritten bereit gewesen, unseren Beitrag zu leisten. Diesmal sogar mit gutem Gewissen. Denn diesmal wären wir ja die Guten gewesen. Diesmal ging es ja um das Gute.
Der Russe durfte nicht damit durchkommen, das Völkerrecht zu brechen. Darum ging es doch wohl. Und für das Gute muss man kämpfen, sonst regiert das Böse in der Welt. Wer das nicht versteht, so der implizite Subtext, hat eigentlich keine legitime Meinung mehr.
Nun gab es allerdings einen deutschen SPD-Politiker namens Egon Bahr, der einmal einer Schulklasse etwas verriet, was man im Geschichtsunterricht eher nicht hört:
„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das – egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
Aber der Kampf für das Gute hatte uns längst vollständig erfasst. Wir wollten das Elend der Welt durch Umsiedlung nach Deutschland lindern und mit einer sozialistischen Energiewende den globalen Kapitalismus vom CO₂ befreien. Moralisch. Endlich auf der richtigen Seite der Geschichte.
Wir waren bereit für den „Fight tonight“. Es wäre ja vermutlich in einer Nacht erledigt gewesen. Deutschland wäre es dabei möglicherweise ergangen wie Karthago im dritten Krieg – aber auch das hätten wir für das Gute riskiert. Das waren wir dem Guten schließlich schuldig. Für dieses Gute kämpfen wir ja schon sehr lange.
Und dann kommt Donald Trump. Ausgerechnet der Mann, den wir für den „Fight tonight“ gebraucht hätten.
Und er zeigt – beiläufig, ungerührt, fast brutal – dass Egon Bahr recht hatte. Interessen. Macht. Kalkül. Keine Erlösungsnarrative.
Und plötzlich wachen wir auf.
Aus einem Albtraum aufzuwachen ist normalerweise eine Befreiung. Dieses Aufwachen jedoch ist härter. Der Schweiß bricht aus, wenn wir zurückblicken. Denn wir erkennen: Man hat uns bei so vielen Dingen manipuliert – über unsere Gefühle für das Gutgemeinte.
Wir haben immer wieder gegen unsere eigenen Interessen gehandelt, weil man uns moralisch dazu gebracht hat. Nicht mit Zwang, sondern mit moralischer Erpressung. Mit Gut-und-Böse-Erzählungen, die jede Interessenabwägung delegitimierten.
Es gab genug Menschen in diesem Land, die das früh erkannt haben. Sie wurden diffamiert, ausgegrenzt, moralisch entsorgt.
Und doch reichen sie euch heute die Hand.
Denn ihr wart keine Täter. Ihr wart Opfer einer systematischen Manipulation.
Jetzt geht es nicht um Abrechnung. Jetzt geht es um Aufwachen durch Enttäuschung
Schlussfuge
Vielleicht ist das das eigentliche Trump-Paradox:
Nicht er hat uns manipuliert.
Sondern unsere eigene Sehnsucht nach moralischer Reinheit hat uns blind gemacht.
Jetzt geht es nicht um Abrechnung.
Jetzt geht es um Aufwachen durch Ent-Täuschung.
Nicht um eine gewaltsame Revolution.
Sondern um eine superfriedliche.
Eine Rückkehr zur Realität.
Zu Interessen.
Zu Vernunft.
Zu Selbstachtung.
Link: Manifest der superfriedlichen Revolution
Schreibe einen Kommentar