
Die Welt ist paradox.
Mit der Kugelform der Erde haben wir längst unseren Frieden gemacht. Dass die Quantenphysik unserer Intuition widerspricht, gilt heute als selbstverständlich. Weit weniger bewusst ist uns, dass Gesellschaft ebenso paradox funktioniert.
Dabei ist diese Erfahrung längst sprichwörtlich und empirisch gut belegt, gerade in unserem Land: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht. Immer mehr Menschen haben den Eindruck, dass unser Land trotz guter Absichten, Werte und Vorschriften auf keinem guten Weg ist.
Wenn gut gemeinte Ziele paradoxerweise auf schlechte Ergebnisse hinauslaufen, stellt sich eine einfache, aber entscheidende Frage: Welche Wege funktionieren in einer paradoxen Realität überhaupt?
Wenn Gesellschaft paradox ist, unser Denken aber überwiegend linear, dann braucht es einen Ziel-Weg-Konverter, der für eine paradoxe Welt geeignete Wege erkennbar macht. Und so etwas habe ich in Arbeit.
Ziel ist es, die kantische Aufklärung um das Paradoxe zu erweitern. Die neue Formel der Aufklärung für die paradoxe Realität lautet daher:
Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes und EmoCheck26 zu bedienen!
Nun werden Sie vermutlich an meinem Geisteszustand zweifeln, aber der verrückte Erfinder hat eine Arbeitsprobe dabei. Wir können den EmoCheck26 bereits an einem fiktiven, aber realitätsnahen Beispiel testen.
Arbeitsprobe
Staatsschulden stoppen und breite Vermögensentwicklung ermöglichen
Stellen wir uns vor, am EmoCheck26-Eingabemodul taucht ein Ziel auf, das in Politik und Öffentlichkeit regelmäßig als widersprüchlich gilt: Das Wachstum der Staatsschulden soll gestoppt werden, zugleich soll die stagnierende oder sogar rückläufige Vermögensentwicklung in der Breite der Gesellschaft wieder einsetzen. In der üblichen Debatte erscheint dieses Ziel als kaum lösbar.
EmoCheck26 behandelt dieses Anliegen als Prüfauftrag und greift dabei auf einen wissenschaftlichen Zusammenhang der Paradoxologie zurück, der lange bekannt ist, aber kaum wirksam wurde, weil er kontraintuitiv ist.
Einzelwirtschaftliche Ebene und Gruppen (Partialsatz)
Bei jedem Wirtschafter und jeder Gruppe kann der Zuwachs des Vermögens vom Zuwachs des eigenen Sachvermögens abweichen. (Sie können ja ihr Geldvermögen verändern.)
Paradoxe gesamtwirtschaftliche Ebene (Globalsatz)
In der Gesamtwirtschaft und im Durchschnitt aller Einzelwirtschaften ist die Vermögensmehrung stets gleich der Sachvermögensmehrung. (Es gibt per Saldo keine Geldvermögen.)
Auf der Ebene des Einzelnen funktioniert Geldvermögensbildung wie ein persönlicher Erfolg. Einzelne können ihr Geldvermögen erhöhen, ohne gleichzeitig eigenes Sachvermögen aufzubauen. Auf der Ebene des Ganzen entsteht daraus jedoch kein allgemeiner Reichtum, sondern ein gleich großes Wachstum der Verschuldung. Einfach deshalb, weil es Geldvermögen per Saldo von Guthaben und Schulden gar nicht gibt. Fehlt es nicht am realwirtschaftlichen Angebot, ist es also die Geldvermögensbildung, welche die Verschuldung treibt.
Allgemeines Vermögenswachstum für den Durchschnitt aller entsteht nur dort, wo Sachvermögen wächst. Daraus ergibt sich ein klarer Prüfauftrag an die Systemgestaltung: Wenn Vermögenswachstum und Schuldenstabilität zugleich erreicht werden sollen, müssen Strukturen geschaffen werden, die Sachwertbildung systematisch begünstigen und Geldvermögensbildung zurückdrängen.
Ein daraus ableitbarer Weg könnte sein, Sparzinsen dauerhaft abzuschaffen und stattdessen über eine Kreditsteuer die monetären Verhältnisse so zu gestalten, dass reale Investitionen gegenüber Geldhaltung bevorzugt werden. Ergänzend könnte über geeignete Verbriefungen sichergestellt werden, dass reale Investitionen liquide bleiben. In Verbindung mit einem fehlenden oder stark reduzierten Kredithebel würde dies ermöglichen, dass solche Investitionen zugleich langfristig und risikoarm ausgestaltet sind. Zu beachten ist, dass natürlich auch angebotsorientierte Reformen gleichzeitig erforderlich sind, denn reale Werte müssen real geschaffen werden.
Auswertung
Mit einem einzigen paradoxen Zusammenhang macht EmoCheck26 drei der größten Problemfelder moderner Gesellschaften gleichzeitig bearbeitbar.
Erstens wird das Staatsschuldenproblem lösbar, weil seine paradoxe Ursache jetzt bearbeitet werden kann: die Unsitte, in Geldhaltung statt in realen Werten zu sparen.
Zweitens wird das Vermögensverteilungsproblem lösbar, weil es bereits bei seiner Entstehung breiter angelegt wird. Sachwertrenditen sind die wirklichen Vermögensquellen. Es ist noch niemand durch Geldsparen wirklich vermögend geworden, aber sehr viele sind durch Inflation des Geldes verarmt. Die Sanktionierung des Geldsparens ist also gelebter Verbraucherschutz. Auch müssen die Steuern für die Zinsen der Staatsschulden heute alle Steuerzahler zahlen – eben auch die investierenden Steuerzahler, welche diese Staatsschulden gar nicht durch Geldsparen mitverschuldet haben.
Drittens sind die Krisen des Kapitalismus lösbar, denn diese sind durch seine Geldsystemprobleme definiert. In einer Eigenkapitalwirtschaft ohne durch Geldsparen aufgeblähte Schulden-Salden gibt es diese Krisenmechanik einfach nicht mehr.
Habe ich zu viel versprochen? Wir haben mit einem paradoxen Zusammenhang, dass es Geldvermögen per Saldo gar nicht gibt, schon unglaublich viele Probleme abgeräumt. Und das war eben auch nur ein Paradox – da gibt es noch viel mehr Potential zu entdecken.
Bitte geben Sie mir doch ein Feedback, wie Ihnen die Arbeitsprobe gefallen hat – vielen Dank vorab.