Autor: Jörg Buschbeck

  • Hatte Goethe schon den Trump beschrieben?

    Viele Menschen in Europa mögen Donald Trump nicht. Auch der Fernseher lobt ihn nur selten. Er steht quer zu unseren Moralvorstellungen. Manche halten ihn sogar für etwas Teuflisches, für einen „Trumpisto“, der sich in die Politik verirrt habe.

    Wenn das so ist, dann lohnt sich ein Blick auf den Teufel selbst.
    Und wer hat über ihn geschrieben? Goethe.

    In Faust tritt Mephisto vor den Herrn – und spricht jenen Satz, der uns bis heute irritieren sollte:

    „Ich bin ein Teil von jener Kraft,
    die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

    Was, wenn dieser Satz mehr über unsere Welt sagt, als uns lieb ist?
    Und was, wenn er – ganz unabhängig von Goethe – auch heute noch gilt?

    Nehmen wir einmal nicht an, dem Dichter sei tatsächlich der Teufel erschienen. Dann bleibt etwas anderes: Goethe wollte uns etwas zeigen. Etwas, das schwer verdaulich ist und dem sich Menschen seit jeher widersetzen.

    Unsere Welt ist durch und durch paradox.

    Das bedeutet: Vieles, was uns im linearen Denken richtig erscheint, ist für die reale Welt um 180 Grad falsch. Wer das Paradoxe übersieht, erleidet einen Realitätsverlust.

    Ein einfaches Beispiel:
    Die Sonne geht nicht im Osten auf und im Westen unter – auch wenn es so aussieht. Seit der kopernikanischen Wende zweifelt daran niemand mehr. Wir wissen: Unsere Wahrnehmung täuscht uns.

    Warum sollte das bei politischen und moralischen Fragen anders sein?

    Eine trumpsche Wende der Wahrnehmung?

    Vielleicht brauchen wir heute eine ähnliche Irritation.
    Nennen wir sie – vorsichtig – eine trumpsche Wahrnehmungswende.

    Dazu entwerfen wir einmal spielerisch Faust III und erfinden einen Sohn des Mephisto. Eine klassische Vater-Sohn-Geschichte. Der Junior will nicht so werden wie der Alte. Er will das Gute.

    Nennen wir ihn Wokisto.

    Und leider muss Wokisto – in einer paradoxen Welt – mit einem Satz auftreten, der zunächst harmlos klingt, aber erschreckend vertraut ist:

    „Ich bin ein Teil von jener Kraft,
    die stets das Gute will und Böses schafft.“

    Spätestens hier sind wir geneigt, mit Faust zu seufzen:

    „Da steh ich nun, ich armer Tor,
    und bin so klug als wie zuvor.“

    Wokisto und Mephisto im Parlament

    Heute sitzen Wokisto und Mephisto sogar im Bundestag.
    Getrennt durch eine Brandmauer, verbunden durch einen offenen Vater-Sohn-Konflikt.

    Die Mephisto-Fraktion hat keine guten Ziele.
    Die regierende Wokisto-Fraktion hat gute Ziele – scheitert aber an den Wegen.

    Und dieses große Scheitern hat gerade erst begonnen.

    Doch der Alte ist auch keine Alternative für Deutschland.

    Was also tun?

    Die Antwort ist banal – und radikal zugleich: Synergie.
    Man nimmt von Wokisto die guten Ziele.
    Und von Mephisto die realitätsfesten Wege.

    So funktioniert Synergie nun einmal.

    Das Machtproblem

    Nur gibt es ein Problem: die Macht.
    Wokisto kontrolliert die Institutionen. Selbst wenn man ihn aus dem Parlament verdrängte, würden seine Institutionen weiter gegen jede Korrektur arbeiten – notfalls sogar gegen die Legislative.

    Aber auch dieses Problem ist kleiner, als es scheint.

    Wokisto müsste nur eines lernen:
    die schlechten Ergebnisse seiner Wege nicht länger zu verdrängen.

    Und genau hier kommen wir zurück zu Trump.

    Das Trump-Paradox

    Donald Trump hat uns – unbeabsichtigt – etwas gezeigt, das wir nicht sehen wollten:
    In Kriegen geht es nicht um Moral. Es geht um Interessen.

    Nicht um Gut und Böse.
    Sondern um Macht, Kalkül und reale Kosten.

    Der Mephisto-ähnliche Trump hat uns damit einen Moment der Realität zugemutet. Und so paradox es klingt: Er hat uns damit möglicherweise vor dem Darwin Award bewahrt.

    Nicht, weil er gut wäre.
    Sondern weil er uns ent-täuscht hat.

    Wie uns der ent-täuschende Donald Trump uns um den Darwin Award brachte

    Wir waren bereit. Zumindest wurde es so verkündet.

    Bereit für den Fight tonight“, sagte General Christian Freuding. (FAZ)

    Bereit – schon wieder. Nachdem Deutschland in zwei Weltkriege wesentlich verwickelt war, wären wir auch beim dritten bereit gewesen, unseren Beitrag zu leisten. Diesmal sogar mit gutem Gewissen. Denn diesmal wären wir ja die Guten gewesen. Diesmal ging es ja um das Gute.

    Der Russe durfte nicht damit durchkommen, das Völkerrecht zu brechen. Darum ging es doch wohl. Und für das Gute muss man kämpfen, sonst regiert das Böse in der Welt. Wer das nicht versteht, so der implizite Subtext, hat eigentlich keine legitime Meinung mehr.

    Nun gab es allerdings einen deutschen SPD-Politiker namens Egon Bahr, der einmal einer Schulklasse etwas verriet, was man im Geschichtsunterricht eher nicht hört:

    „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das – egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“

    (Frankfurter Hefte, verlinkt)

    Aber der Kampf für das Gute hatte uns längst vollständig erfasst. Wir wollten das Elend der Welt durch Umsiedlung nach Deutschland lindern und mit einer sozialistischen Energiewende den globalen Kapitalismus vom CO₂ befreien. Moralisch. Endlich auf der richtigen Seite der Geschichte.

    Wir waren bereit für den „Fight tonight“. Es wäre ja vermutlich in einer Nacht erledigt gewesen. Deutschland wäre es dabei möglicherweise ergangen wie Karthago im dritten Krieg – aber auch das hätten wir für das Gute riskiert. Das waren wir dem Guten schließlich schuldig. Für dieses Gute kämpfen wir ja schon sehr lange.

    Und dann kommt Donald Trump. Ausgerechnet der Mann, den wir für den „Fight tonight“ gebraucht hätten.

    Und er zeigt – beiläufig, ungerührt, fast brutal – dass Egon Bahr recht hatte. Interessen. Macht. Kalkül. Keine Erlösungsnarrative.

    Und plötzlich wachen wir auf.

    Aus einem Albtraum aufzuwachen ist normalerweise eine Befreiung. Dieses Aufwachen jedoch ist härter. Der Schweiß bricht aus, wenn wir zurückblicken. Denn wir erkennen: Man hat uns bei so vielen Dingen manipuliert – über unsere Gefühle für das Gutgemeinte.

    Wir haben immer wieder gegen unsere eigenen Interessen gehandelt, weil man uns moralisch dazu gebracht hat. Nicht mit Zwang, sondern mit moralischer Erpressung. Mit Gut-und-Böse-Erzählungen, die jede Interessenabwägung delegitimierten.

    Es gab genug Menschen in diesem Land, die das früh erkannt haben. Sie wurden diffamiert, ausgegrenzt, moralisch entsorgt.

    Und doch reichen sie euch heute die Hand.

    Denn ihr wart keine Täter. Ihr wart Opfer einer systematischen Manipulation.

    Jetzt geht es nicht um Abrechnung. Jetzt geht es um Aufwachen durch Enttäuschung

    Schlussfuge

    Vielleicht ist das das eigentliche Trump-Paradox:
    Nicht er hat uns manipuliert.
    Sondern unsere eigene Sehnsucht nach moralischer Reinheit hat uns blind gemacht.

    Jetzt geht es nicht um Abrechnung.
    Jetzt geht es um Aufwachen durch Ent-Täuschung.

    Nicht um eine gewaltsame Revolution.
    Sondern um eine superfriedliche.

    Eine Rückkehr zur Realität.
    Zu Interessen.
    Zu Vernunft.
    Zu Selbstachtung.

    Link: Manifest der superfriedlichen Revolution

  • Wie der Teufel die (Bürger)Journalisten verwirrte


    Ohne Märchen wird keiner schlau

    Warum der Teufel weiterdenken musste

    Der Teufel war mit seinem bisherigen Werk nicht unzufrieden.
    Dass die Menschen das wahre Potenzial des Kapitalismus nicht mehr erkannten, war kein Zufall gewesen. Er hatte Adam Smith die Zeit vergessen lassen, und mit ihr das Risiko, die Vorleistung und die Geduld. Der Kapitalismus war damit nicht falsch erklärt, aber unvollständig gedacht. Und oft genügt ein fehlendes Teil, um ein ganzes System unverständlich zu machen.

    Doch der Teufel wusste, dass Erkenntnisdrang hartnäckig ist. Menschen geben sich selten dauerhaft mit halben Antworten zufrieden. Früher oder später beginnen sie, die Lücken zu spüren. Wenn seine Verwirrung dauerhaft wirken sollte, durfte sie deshalb nicht bei einzelnen Theorien stehen bleiben. Sie musste an die Bedingungen des Denkens selbst gehen.

    Von einer unperfekten Welt und einer gefährlichen Idee

    Die Welt, wie Gott sie geschaffen hatte, war kein wohlgeordnetes Uhrwerk. Sie bestand aus unperfekten Teilen. Alles war begrenzt, widersprüchlich, fehleranfällig. Der Mensch eingeschlossen. Vielleicht war das Absicht gewesen. Vielleicht konnte Perfektion nur im System entstehen, niemals im Teil.

    In der Technik funktionierte dieser Gedanke erstaunlich gut. Menschen kombinierten Materialien, Maschinen, Kräfte und Ideen, und oft entstand etwas, das besser war als alles, was seine Bestandteile je hätten leisten können. Viele technische Fortschritte waren nicht geplant, sondern entdeckt worden.

    Beunruhigend wurde es erst bei einem anderen Gedanken.
    Was, wenn Menschen begännen, auch Gesellschaft konstruktiv zu denken. Nicht moralisch, nicht idealistisch, sondern funktional. Nicht perfekte Menschen zu verlangen, sondern Systeme zu bauen, die mit unperfekten Menschen funktionieren.

    Das war gefährlich.

    Wie der Teufel das Denken selbst ins Visier nahm

    Der Teufel verstand schnell, dass es nicht genügte, Inhalte zu verzerren. Er musste verhindern, dass diese Art des Denkens überhaupt angewendet wurde. Und dafür musste er verstehen, wie Menschen denken.

    Gott hatte dem Menschen nicht nur eine Art zu denken gegeben. Für Liebe und Hass, für Bindung und Abgrenzung, hatte er ein Denken vorgesehen, das stark vereinfacht. Es kannte nur zwei Pole. Gut oder schlecht. Freund oder Feind. Richtig oder falsch. Dieses Denken war schnell, kraftvoll und lebensnotwendig.

    Dieses Denken nennen wir das Polarhirn.
    Im Polarhirn wohnen Liebe und Hass. Es erlaubt keine Differenzierung. Polarisierung macht es dominant.

    Daneben hatte Gott dem Menschen ein anderes Denken geschenkt. Langsam, prüfend, verbindend. Ein Denken, das Unterschiede sieht, Widersprüche aushält und Paradoxien erträgt. Dieses Denken nennen wir das Synergiehirn.

    Zwischen beiden hatte Gott einen Umschalter eingebaut. Unauffällig, automatisch, meist unbemerkt. Sobald ein Thema emotional aufgeladen wird, übernimmt das Polarhirn. Nicht aus Bosheit, sondern aus Funktion.

    Und hier erkannte der Teufel seinen Hebel.

    Warum man keine Lügen braucht, um zu verwirren

    Wenn es gelänge, alles Nachdenken über Gesellschaft emotional aufzuladen, dann würde dieser Umschalter zuverlässig betätigt. Menschen würden nicht mehr prüfen, sondern reagieren. Nicht mehr verbinden, sondern trennen. Nicht mehr denken, sondern zeigen.

    Es brauchte dafür keine Lüge.
    Es brauchte nur Polarisierung.

    Wie Journalisten zu Verstärkern wurden

    Und genau hier traten die Journalisten auf den Plan. Nicht als Bösewichte. Nicht als Verschwörer. Sondern als Akteure in einem System, in dem Aufmerksamkeit zur Überlebensbedingung geworden war. Aufmerksamkeit aber entsteht nicht durch Paradoxien, sondern durch Emotion. Durch Konflikt. Durch klare Fronten.

    Journalismus musste vereinfachen, um gelesen zu werden. Er musste beschleunigen, um aktuell zu sein. Und er musste berühren, um zu verkaufen. Differenzierung wurde zum Risiko. Wer sagt, es sei kompliziert, verliert gegen den, der sagt, es sei klar.

    So wurde aus Berichterstattung Erregung.
    Aus Beschreibung Bewertung.
    Und aus gesellschaftlichen Fragen emotionale Trigger.

    Als plötzlich jeder Journalist war

    Dann fiel die letzte Schranke.
    Mit den sozialen Medien wurde jeder Journalist. Jeder Kommentator. Jeder Verstärker. Bürgerjournalismus nannte man das. Es klang nach Fortschritt.

    In Wirklichkeit vervielfachte sich die Polarisierung.

    Nun war nicht mehr nur jeder Leser emotionalisiert. Nun war jeder Sender emotional. Millionen kleiner Redaktionen entstanden gleichzeitig. Das Zeigen mit dem Finger wurde zur Hauptform gesellschaftlicher Kommunikation.

    Konstruktives Denken verschwand. Nicht, weil es verboten wurde. Sondern weil es unterging.

    Warum in polarisierten Gesellschaften keine Zukunft entsteht

    Große Vorhaben brauchen Zeit, Vertrauen und Vorleistung. Sie brauchen Geduld und die Bereitschaft, heute etwas zu geben, ohne sofortige Bestätigung zu erhalten. All das aber verschwindet in maximal polarisierten Gesellschaften. Niemand wartet. Niemand trägt Risiko. Zukunft wird zur Zumutung.

    Der Teufel zog daraus eine nüchterne Konsequenz.

    Er begann, in der Hölle zu investieren.

    Wo das Polarhirn regiert, wird nicht investiert.
    Wo nicht investiert wird, entsteht keine Zukunft.

    Der Teufel wusste das längst.

    (wird fortgesetzt)

  • Wie der Teufel die Ökonomen verwirrte – Teil 1

    Ohne Märchen wird keiner schlau


    Von einem kleinen Fehler des Teufels

    Der Teufel ist ein schlauer Kerl, daran besteht kein Zweifel, doch wie alle Wesen, die über sehr lange Zeit erfolgreich sind, unterliegt auch er gelegentlich der Versuchung, seine eigene Klugheit zu überschätzen. Einen seiner folgenreichsten Fehler beging er nicht in einer dunklen Höhle oder auf einem Schlachtfeld, sondern in einem bürgerlichen Salon, in einer jener Logen, in denen man dachte, sprach und zuhörte. Der Teufel hatte dort, eher beiläufig und ohne besondere Vorsicht, etwas ausgesprochen, das ihm später noch große Sorgen bereiten sollte. Goethe hörte zu. Und Goethe schrieb mit.

    So blieb ein Satz erhalten, der weit über seinen literarischen Ursprung hinauswirkte und einen Mechanismus sichtbar machte, auf dem ein großer Teil der modernen Welt beruhen sollte:
    „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und Gutes schafft.“

    Der Teufel hatte damit nichts erklären und schon gar nichts rechtfertigen wollen. Er hatte lediglich seine eigene Funktionsweise beschrieben. Doch die Menschen waren aufmerksamer, als er es erwartet hatte. Sie begannen zu begreifen, dass Eigennutz nicht zwangsläufig zerstörerisch wirken muss, dass er – richtig verschaltet, in ein System eingebettet und durch Ordnung begrenzt – produktiv sein kann, ja sogar zu Wohlstand und Stabilität führen kann. Später nannte man dieses Prinzip die unsichtbare Hand, und noch später erfand man auf dieser Grundlage etwas, das man Kapitalismus nannte.

    Warum dem Teufel plötzlich mulmig wurde

    Anfangs war dieser Kapitalismus alles andere als zivilisiert. Manchester war kein Paradies, sondern ein Ort, an dem Elend, Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit dicht beieinanderlagen, und der Teufel fühlte sich dort durchaus noch wohl. Doch der Teufel konnte weiter denken als viele seiner Kritiker. Er wusste, dass Produktivität wächst, dass Maschinen menschliche Arbeitskraft vervielfachen und dass technischer Fortschritt nicht stehen bleibt. Ihm war klar, dass das Elend, das über Jahrtausende als naturgegeben gegolten hatte, mit wachsender Produktivität prinzipiell überwindbar werden konnte.

    Und genau das machte ihm Angst.

    Denn wenn die Menschen eines Tages in der Lage wären, ihre eigennützigen Triebe so zu nutzen, dass daraus systematisch Wohlstand entstünde, wenn Knappheit nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme wäre, dann stellte sich eine gefährliche Frage: Worüber sollten sie dann noch streiten? Wofür sollten sie noch kämpfen? Und wozu bräuchte es dann überhaupt noch die Hölle?

    Der Gedanke, dass ausgerechnet jene Kräfte, auf die er sich seit jeher verlassen hatte – Egoismus, Ehrgeiz und Gewinnstreben –, am Ende zu etwas führen könnten, das man ohne große Übertreibung als ein Paradies auf Erden bezeichnen müsste, war für den Teufel unerträglich. Wenn so viel Gutes entstünde, wie es menschliches Eigennutzstreben gibt, dann wäre sein Geschäftsmodell ernsthaft bedroht, und die Öfen der Hölle könnten eines Tages kalt bleiben.

    Wie man viele verwirrt, ohne jeden Einzelnen zu belügen

    Der Teufel dachte lange nach. Auch sein Tag hatte nur vierundzwanzig Stunden, und es war offensichtlich unmöglich, jeden einzelnen Menschen persönlich zu verwirren. Also suchte er nach einem Hebel, nach einer Stelle im System, an der mit geringem Aufwand maximale Wirkung erzielt werden konnte. Schließlich erkannte er den eigentlichen Engpass nicht in der Technik und auch nicht in der Moral, sondern im Denken über Gesellschaft. Und dieses Denken hatte seine eigenen Spezialisten: die Ökonomen.

    So begann der Teufel, sich nicht an die Menschen selbst zu wenden, sondern an ihre Vordenker. Er brauchte Multiplikatoren, keine Verführungen im Einzelfall. Schritt für Schritt gelang es ihm, die Volkswirtschaftslehre in eine Richtung zu lenken, die auf den ersten Blick rational, sauber und wissenschaftlich wirkte, bei näherem Hinsehen jedoch systematisch verwirrte. Die Hörsäle der Volkswirtschaftslehre begannen sich in etwas zu verwandeln, das der Hölle erstaunlich ähnlich war – nicht wegen böser Absichten, sondern wegen dauerhaft stabiler Denkfehler.

    Um ein Haar wäre er damit auch durchgekommen.

    Der Autor dieser Zeilen allerdings betrat diese Vorhölle nie. Er praktizierte den Kapitalismus, ohne ihn zuvor durch die institutionelle Verwirrungsprüfung schicken zu lassen, und analysierte ihn mit Abstand, aus der Realität heraus und ohne die Begriffe für selbstverständlich zu halten. Nun ist der Autor nicht mehr der Jüngste, und vielleicht holt ihn der Teufel eines Tages doch noch ab. Gerade deshalb schreibt er es jetzt auf. Die Erzählung von der großen Verwirrung beginnt hier, mit dem ersten teuflischen Trick, der direkt an der Wurzel des Denkens ansetzt.

    Der erste Trick: Wie die Zeit aus dem Denken verschwand

    Adam Smith arbeitete gerade an einem Buch, das dem Teufel Sorgen bereitete. Schon der Titel klang gefährlich offenherzig: Der Wohlstand der Nationen. Smith beschrieb darin den Segen der Arbeitsteilung, er sprach von Maschinen, die menschliche Arbeitskraft vervielfachen, und er erklärte, wie Eigennutz – diese uralte teuflische Triebkraft – produktiv wirken kann, wenn man ihn nicht moralisch bekämpft, sondern funktional nutzt. Angetrieben werde all dies, so schrieb Smith, von jener unsichtbaren Hand.

    Dem Teufel schwante Übles, denn die Lösung war zu gut beschrieben, zu funktional und zu nahe an der Wahrheit. Also erschien er Smith im Traum, nicht als Verführer und nicht als Lügner, sondern lediglich als ein kleiner gedanklicher Schubs. Er ließ etwas verschwinden, das man leicht übersieht und doch nicht entbehren kann: die Zeit.

    Smith erklärte den Kapitalismus fortan als Tausch. Und Tausch ist gleichzeitig. Was gleichzeitig geschieht, braucht keine Zeit. Mit diesem einen Schritt verschwand die vierte Dimension aus dem ökonomischen Denken, und mit ihr alles, was untrennbar an ihr hängt: Risiko, Vorleistung, Geduld und Unternehmertum.

    Denn Kapitalismus ist kein Tausch. Er ist ein Prozess über Zeit. Vor zwanzig Jahren wurde eine Erzgrube erschlossen, vor zehn Jahren Maschinen gebaut, heute wird ein Produkt verkauft. Zwanzig Jahre liegen zwischen der ersten Lohnzahlung und dem Verkauf, zwischen Investition und Rückfluss, zwischen Risiko und Ertrag. Wer die Zeit vergisst, vergisst das Risiko, und wer das Risiko vergisst, vergisst die eigentliche Leistung der Unternehmer. Genau hier liegt der Unterschied zur unproduktiven Subsistenzwirtschaft: in der Fähigkeit, Risiko über Zeit zu tragen, besser, als es Fürsten je konnten. Selbst das Geld ist ein Phänomen des Zeitbedarfs des Wirtschaftens. Wer ohne die Zeit denkt, kann das Geldsystem nie verstehen.

    Doch all das verschwand aus dem Bewusstsein. Zurück blieb ein zeitloser Unsinn, der sich erstaunlich hartnäckig hielt. Ein meisterhafter Trick. Und die Ökonomen betrieben ihn fortan mit großem Ernst.

    (wird fortgesetzt)

  • Krisomat26

    Der Krisomat26 macht auch aus ihrer Krise eine Chance!
    hier geht es zur Beschreibung und Bedienungsanleitung

    www.realkrise.de

  • Synergiewende

    Wider der Vergöttlichung von Mensch und Geld

    Die Synergiewende ist kein Diskursprojekt und keine moralische Plauderei. Sie ist der Versuch einer bewussten intellektuellen Revolution gegen menschliche Verdrängung.

    Wenn das Verdrängte dem Wunschdenken einen Besuch abstattet, nennen wir das Krise. Wie tief sie wird, hängt allein davon ab, wie lange wir REALITÄT verdrängen wollen.

    Unsere friedliche Revolution richtet sich gegen zwei Geiseln des gesellschaftlichen Denkens, ohne deren Überwindung jede funktionale Gesellschaftskonstruktion scheitern muss.

    Die erste Geisel ist die Vergötterung des Menschen. Der kantsche Imperativ erhebt den Menschen zum moralischen Gesetzgeber, der seine individuellen Interessen dauerhaft mit dem Gemeinwohl zur Deckung bringen könne. Diese Annahme verdrängt die Rationalitätenfalle. Das reale Phänomen, dass die Interessen des Einzelnen und der Gesellschaft regelmäßig auseinanderfallen. Wer diese Realität verdrängt, kann keine tragfähige Ordnung bauen.

    Die zweite Geisel ist die Vergötterung des Geldes. Geld wird als Reichtum missverstanden, während seine Schattenseiten verdrängt werden. Schulden, Instabilität und Verteilungszwänge erscheinen als politische Fehlentwicklungen, nicht als systemische Folgen des Geldsparens selbst. Auch hier wird Realität verdrängt.

    Die Synergiewende vollzieht einen bewussten Götzensturz. Sie verabschiedet das idealisierte Menschenbild und das idealisierte Geldbild. An ihre Stelle treten ein realistisches Verständnis menschlicher Begrenztheit und ein realistisches Verständnis ökonomischer Zusammenhänge.

    Die Paradoxologie zeigt, dass konstruktive Perfektion aus der synergetischen Kombination unperfekter Teile entsteht. Erst indem wir die Unvollkommenheit von Mensch und Geld akzeptieren, können wir tragfähige und stabile Systeme mit Mensch und Geld konzipieren.

    Als Ordnung der Freiheit, weil sie den Menschen nicht überfordert.

    Als Ordnung des Massenwohlstands, weil sie reale Werte statt Geld-Illusionen vermehrt.

    Als Ordnung des Friedens, weil sie Verdrängung durch Tragfähigkeit ersetzt.

    Die Synergiewende ist ein Friedensprojekt.
    Gerade deshalb ist sie radikal.

    Sie ist der Versuch, die verdrängte Realität dort einzuführen, wo bisher Wunschdenken über Menschen und Geld regiert hat. Nicht um Illusionen zu zerstören, sondern um Frieden möglich zu machen.

    Als Frieden mit uns selbst.
    Und damit dann auch als Frieden mit der Welt.

    Diese Webseite zeigt bewusst mit neuen Real-Begriffen, wie positiv wir unsere komplette Realität synergetisch gestalten könnten – wenn wir nicht länger ihrer Verdrängung huldigen.

    Synergiewende – globales Friedensprojekt und nationales Erneuerungsprojekt

    Die Synergiewende ist als #Peaceprompt ein globales Friedensprojekt. Sie zielt darauf, die Mechaniken von Eskalation, moralischer Überforderung und emotionaler Manipulation sichtbar zu machen und begrenzbar zu halten. Ihr Anspruch ist universell, nicht ideologisch. Frieden entsteht dort, wo Realität anerkannt und Verdrängung beendet wird.

    Gleichzeitig ist die Synergiewende über den #Deutschlandprompt ein bewusst nationales Projekt. Nicht im Sinne von Abgrenzung, sondern von Verantwortung. Unsere Ideen sollen einem Land helfen, das sich in wirtschaftlicher, energetischer, politischer und kultureller Hinsicht verrannt hat – oft aus gut gemeinten, aber schlecht konstruierten Ansätzen.

    Globaler Frieden und nationale Erneuerung stehen dabei nicht im Widerspruch. Beides folgt derselben Logik: Erst wer seine eigenen Realitäten ordnet, kann nach außen stabil wirken. Die Synergiewende verbindet daher universelle Friedensfähigkeit mit konkreter nationaler Handlungsfähigkeit.

  • Jörg Buschbeck

    Dieses Profil ist kein politisches Amt, kein Parteiprojekt und kein Anspruch auf Deutungshoheit.
    Es ist ein Denkexperiment.

    Das „Schattenkabinett der Synergiewende“ ist eine fiktive Rollenordnung, mit der wir prüfen wollen, ob sich festgefahrene gesellschaftliche Debatten wieder beweglich machen lassen – durch Perspektivwechsel, Zuspitzung und Humor.

    Ziel ist nicht, Recht zu haben, sondern Alternativen sichtbar zu machen, dort, wo Moral, Ideologie und Lagerdenken das Denken blockieren.

    Energiewende-, Aufarbeitungs- und Humorminister + Pressesprecher

    fiktives Schattenkabinett der Synergiewende

    Ich arbeite seit fast fünfunddreißig Jahren praktisch an der Energiewende. Nicht als Aktivist, sondern als jemand, der versucht hat, sie zum Funktionieren zu bringen: mit Technik, Projekten, Märkten und Menschen – und mit der Erfahrung, dass moralische Erzählungen allein erstaunlich wenig Energie erzeugen.

    Diese lange Praxis prägt meinen Blick. Ich kenne die guten Absichten. Und ich kenne ihre Nebenfolgen. Vor allem kenne ich die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und realer Umsetzbarkeit. Genau dort setzt mein politisches Interesse an.


    Energiewendeminister

    Synergiewende statt moralischer Überforderung

    Als Energiewendeminister vertrete ich eine einfache, aber unbequeme These.
    Die unwirtschaftliche, moralsozialistisch geprägte Energiewende muss beendet und durch eine wirtschaftlich tragfähige Synergiewende ersetzt werden.

    Nicht, weil ihre Ziele falsch wären. Klimaschutz, Versorgungssicherheit und technischer Fortschritt sind legitime und notwendige Ziele. Gescheitert ist nicht das Ziel, sondern das zugrunde liegende Menschenbild. Die bisherige Energiewende ging implizit von einem moralisch disziplinierten, rational handelnden und technisch folgsamen Menschen aus. Diese Annahme war realitätsfern.

    Hinzu kommt ein zweiter, oft verdrängter Irrtum. Auch technische Lösungen sind nicht perfekt. Wärmepumpen, Elektroautos, Photovoltaik oder Wasserstoff sind keine Heilsbringer, sondern Werkzeuge mit Licht- und Schattenseiten. Jede dieser Technologien hat Grenzen, Nebenfolgen und Abhängigkeiten. Probleme entstehen dort, wo einzelne Lösungen moralisch überhöht und als alternativlos behandelt werden.

    Die Synergiewende setzt deshalb an einem anderen Punkt an. Sie ersetzt nicht eine Technik durch eine andere, sondern isolierte Lösungen durch synergetische Verschaltung. Schwächen einzelner Technologien werden nicht geleugnet, sondern gezielt durch andere Technologien ausgeglichen. Wirtschaftlichkeit entsteht nicht durch moralischen Druck, sondern durch Systemintelligenz.

    Eine realistische Energiewende akzeptiert, dass Menschen nicht perfekt handeln und dass Technik nicht perfekt funktioniert. Sie baut Systeme, die mit diesen Unvollkommenheiten arbeiten, statt gegen sie. Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern funktional miteinander verbunden.

    Die Synergiewende ist deshalb keine Abkehr von Verantwortung, sondern ihre präzisere Form. Sie ersetzt moralische Überforderung durch tragfähige Ordnung. Nur eine Energiewende, die wirtschaftlich funktioniert und menschliche Realität berücksichtigt, kann dauerhaft erfolgreich sein.

    Wo moralische Überforderung zum Ausgangspunkt wird, entsteht kein Erfolg, sondern Abwehr. Wo reale Interessen, Begrenzungen und Anreize ignoriert werden, scheitert auch die beste Absicht.

    Die Synergiewende zeigt, wie Erfolg entsteht, wenn man im Energiebereich konsequent vom Realhumanismus ausgeht. Menschen handeln nicht aus moralischer Reinheit, sondern aus nachvollziehbaren Motiven. Systeme müssen so gebaut sein, dass sie damit funktionieren – auch und gerade für den Minister selbst.

    Ich habe keine Lust mehr auf eine moralisch aufgeladene, technisch und ökonomisch dysfunktionale Energiewende, die Menschen abschreckt, Länder spaltet und politische Fronten verhärtet. Nach Jahrzehnten der Mitarbeit möchte ich erleben, dass sich dieses Land mit Lust, Kompetenz und gesundem Menschenverstand auf erneuerbare Energien umstellt – nicht aus schlechtem Gewissen, sondern aus persönlicher Vorteilhaftigkeit.


    Minister für Aufarbeitung

    Humor als Instrument der Deeskalation

    Ich bin kein Justizminister im klassischen Sinn. Justiz im institutionellen, rechtsstaatlichen Sinn liegt bei Systemexperten wie Wolfgang Stützel. Meine Rolle ist eine andere. Ich bin Minister für die Aufarbeitung der moralistischen Sünden der Vergangenheit.

    Deutschland ist ein tief gespaltenes Land. Diese Spaltung ist nicht primär politisch oder wirtschaftlich, sondern moralisch. Über Jahre hinweg wurde gut gemeint mit gut gemacht verwechselt. Aus moralischer Selbstgewissheit entstanden Ausgrenzung, Eskalation und Blindheit für Nebenfolgen. Ohne eine nüchterne Aufarbeitung dieses „Elends des Gutgemeinten“ ist gesellschaftliche Befriedung nicht möglich.

    Dabei gilt ein zentraler Grundsatz. Wer den Irrtum erkennt, kann für sich jederzeit eine Entschuldigung aus Unwissenheit reklamieren. Moralirrtümer sind menschlich. Niemand wird dafür verurteilt, dass er in einer moralisierten Zeit moralisiert gedacht hat. Die Synergiewende geht vom realen Menschen aus, nicht vom rückwirkend perfekten.

    Erst dort, wo trotz besseren Wissens weiter eskaliert, moralisch überhöht und gespalten wird, greift die einzige vorgesehene Höchststrafe dieser Ordnung: Auslachen.

    Auslachen statt Strafen

    Als Minister für Aufarbeitung vertrete ich ein konsequent superfriedliches Ordnungsverständnis. Eskalation wird nicht durch Härte verhindert, sondern durch Entwaffnung. Die schärfste Sanktion der Synergiewende ist deshalb nicht Strafe, sondern Humor.

    Auslachen ist dabei kein Spott und keine Demütigung. Es ist eine erprobte Form ziviler Deeskalation. Wer ausgelacht wird, wird selten zum Märtyrer. Wer über sich selbst lachen kann, verliert den Drang zur moralischen Selbstüberhöhung. Gewalt braucht Ernsthaftigkeit. Humor entzieht ihr diese Grundlage.

    Das 89er-Prinzip

    Der Herbst 1989 liefert dafür ein oft missverstandenes Beispiel. Die durch Gelächter beendete Abgangsrede von Erich Mielke – „Ich liebe doch alle Menschen“ – war weder Zynismus noch bewusste Lüge. Sie war Ausdruck eines ernst gemeinten Selbstbildes.

    Gerade darin liegt ihre historische Bedeutung. Sie machte sichtbar, wie weit sich moralische Selbstwahrnehmung und reale Wirkung voneinander entfernen können, wenn Selbstreflexion fehlt. In diesem Moment zerfiel Macht nicht durch Gewalt, sondern durch Sichtbarkeit. Nicht durch Gegengewalt, sondern durch Entzauberung.

    Die Diskrepanz zwischen innerem Selbstbild und äußerer Realität wurde für alle erkennbar und damit unschädlich gemacht. Macht, die sich selbst für moralisch hält, wird nicht gefährlich durch Bosheit, sondern durch Blindheit.

    Spiegelung statt Rache

    Die Synergiewende versteht sich ausdrücklich als 89er-Projekt. Sie knüpft an die Erfahrung an, dass Systeme nicht durch Rache oder moralische Gegenüberhöhung überwunden werden müssen, sondern durch Spiegelung.

    Wer sein eigenes Selbstbild nicht mehr verteidigen kann, verliert auch die Fähigkeit zur Eskalation. Humor wirkt hier nicht zerstörend, sondern ordnend. Er ersetzt Strafe durch Einsicht, Härte durch Entspannung und Ernst durch Selbstrelativierung.

    Auslachen ist in diesem Sinn keine Demütigung, sondern eine Form ziviler Befriedung. Eine Ordnung, die das aushält, ist friedensfähig. Eine Ordnung, die es nicht aushält, war es nie.


    Humorminister

    Damit bin ich zwangsläufig auch Humorminister.
    Und ja: Humor ist Staatsziel.

    Staatsziel der Synergiewende ist, dass der deutsche Bürger wieder etwas zu lachen hat. Vielen ist das Lachen in den letzten Jahren vergangen – nicht aus Spaßlosigkeit, sondern aus Überforderung, moralischem Druck und dauerhafter Krisenkommunikation.

    Buschbeck – sächsisch gesprochen fast wie der englische Begriff busch back – bringt damit einen Gedanken von Wilhelm Busch zurück:
    „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

    Trotzdem lachen.
    Denn wir reißen hier einige Weltbilder ein.
    Und das ist erfahrungsgemäß nur mit Humor oder Alkohol zu ertragen.

    Aus medizinischen Gründen schlagen wir Humor vor.

    Humor macht Selbsterkenntnis erträglich.
    Und Selbsterkenntnis ist die Voraussetzung jeder friedensfähigen Ordnung.

    Das Orakel von Delphi forderte: Erkenne dich selbst.
    Wir ergänzen: Und lach dabei wieder öfter über dich selbst.

    Das reduziert Aggression, entschärft moralische Verkrampfung und – ganz nebenbei – vermutlich auch einen erheblichen Teil der Gesundheitskosten. Im Ernst.


    Pressesprecher

    Da im Schattenkabinett zwei der drei Minister leider nicht mehr persönlich auftreten können – der eine lebt heute in seinen Schriften, der andere inzwischen auf YouTube – übernehme ich zusätzlich die Rolle des Pressesprechers.

    Irgendjemand muss ja erklären, was hier passiert.

    Als Pressesprecher sehe ich meine Aufgabe nicht darin, dieses Projekt schönzureden, sondern offen dazu zu stehen, dass es auf den ersten Blick ziemlich irre wirkt. Es handelt sich allerdings um eine kontrollierte Form von Irrsinn. Wir wissen selbst, wie schräg das klingt. Genau deshalb nehmen wir uns nicht heiliger, als wir sind.

    Wer uns kritisiert, hat oft recht.
    Wer über uns lacht, ist ausdrücklich eingeladen.

    Eine Ordnung, die nicht verspottet werden darf, ist gefährlicher als eine, die es aushält.

    Mein politisches Motiv ist dabei offen egoistisch. Ich habe keine Lust auf Krieg für meine Kinder und Enkel. Und ich habe keine Lust mehr auf eine Energiewende, die vielen wie mir keinen Spaß mehr macht.

    Wenn man das Egoismus nennen will – gern.
    Ich halte ihn für ausgesprochen friedensfähig.

    Die Hinweise auf meine Eigeninteressen gehören hier bewusst dazu. Ja, ich will auch ein Buch verkaufen. Diese Offenheit ist kein Gag, sondern ein Signal. Sie soll insbesondere die Presse daran erinnern, wieder konsequent ihrer kritischen Funktion nachzukommen.

    Ich sage das bewusst vorsichtig. Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Politiker gewisse Eigeninteressen verfolgen. Der einzige Weg, dies nicht zu einem gesellschaftlichen Problem werden zu lassen, ist eine maximal kritische Presse. Viele der Probleme der letzten Jahre sind nicht ohne ein diesbezügliches Versagen der vierten Gewalt zu erklären.

    „Der Journalismus darf sich nicht mit einer Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten.“
    (Bertolt Brecht)

    Was Hanns Joachim Friedrichs später als journalistisches Leitprinzip formulierte und prägte, geht in seinem Kern auf diesen Gedanken zurück. Als Friedrichs-Prinzip wurde er zum Maßstab professioneller Distanz im Journalismus.

    In diesem Sinne braucht es eine Wiederauferstehung dieses Prinzips. Nicht als nostalgische Rückbesinnung, sondern als Synergiewende der Presse. Nicht Nähe schafft Vertrauen, sondern professionelle Distanz. Nicht Haltung ersetzt Prüfung, sondern Kritik hält Demokratie funktionsfähig.

  • Gerhard Gundermann

    Kultur- und Außenminister der Synergiewende

    (Schattenkabinett, fiktiv)

    Gerhard Gundermann steht wie kaum ein anderer für das Menschenbild, auf dem die Synergiewende aufbaut. Nicht, weil er widerspruchsfrei gewesen wäre, sondern gerade weil er es nicht war. Gundermann war ein Mensch mit Brüchen, mit Schuld, mit Verletzlichkeit. Er war radikal ehrlich im Versuch, mit diesen Widersprüchen zu leben, statt sie zu verdecken oder zu rechtfertigen.

    (mehr …)
  • Wolfgang Stützel


    Wolfgang Stützel

    fiktiver Wirtschafts- und Innenminister der Synergiewende
    (fiktives Schattenkabinett)

    Wolfgang Stützel steht in der Synergiewende nicht für eine einzelne Theorie und nicht für eine ökonomische Schule. Er steht exemplarisch für eine bestimmte Art des Denkens, die in gesellschaftlichen Debatten selten wird, sobald es ernst wird: ein Denken jenseits von Gut und Böse.

    Diese Personalisierung ist bewusst gewählt. Das, was hier als stützelsches Denken bezeichnet wird, ist keine Autorlehre, sondern eine Denkhaltung. Sie lässt sich an Stützels Werk besonders klar zeigen, ist ihm aber nicht exklusiv vorbehalten. Stützel dient als Linse, nicht als Quelle.

    Zwei verdrängte Kerne moderner Krisen

    Stützel hat zwei zentrale Verdrängungen sichtbar gemacht, aus denen sich das Krisenpotenzial moderner Gesellschaften ableitet.

    Die erste betrifft das Geldvermögen. Geldvermögen existiert gesamtwirtschaftlich per Saldo gar nicht, ist ein gesamtwirtschaftlicher Nullwert. Wird Geldvermögen dennoch wie ein eigenständiger Realwert behandelt, entstehen systematische Fehlurteile über Sparen, Vermögen, Schulden und Stabilität. Diese Verdrängung ist kein Rechenfehler, sondern eine kollektive Denkgewohnheit.

    Die zweite betrifft den Menschen. Individuell rationales Verhalten kann unter bestimmten Bedingungen gesamtwirtschaftlich in Irrationalität kippen. Diese Rationalitätenfalle entsteht nicht aus mangelnder Moral oder fehlendem Wissen, sondern aus der strukturellen Begrenzung menschlicher Perspektive. Menschen können ihre eigene Handlung nicht gleichzeitig aus individueller und gesamtwirtschaftlicher Sicht korrekt bewerten.

    Beide Verdrängungen wirken zusammen. Das missverstandene Geld trifft auf den begrenzt rationalen Menschen. Aus dieser Kombination entstehen jene Paradoxa, die Geld- und Konkurrenzwirtschaften regelmäßig in Krisen führen.

    Stützel als Denkform, nicht als Dogma

    Das Besondere am stützelschen Denken liegt nicht in einzelnen Aussagen, sondern in der konsequenten Ebenentrennung. Stützel fragte nicht, wer recht hat, sondern auf welcher Ebene eine Aussage gilt. Er dachte nicht in Lagern, sondern in Bedingungen.

    In dieser Perspektive geraten vermeintliche Gegensätze nicht in Kampf, sondern in Ordnung. Karl Marx und Adam Smith erscheinen nicht als Gegner, sondern als Beschreiber unterschiedlicher Aspekte desselben Systems. John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek widersprechen sich nicht, sondern arbeiten auf verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher Koordination. Entscheidend ist nicht die moralische Bewertung, sondern die funktionale Passung.

    Wenn hier vom stützelschen Denken die Rede ist, dann ist genau diese Fähigkeit gemeint: widersprüchliche Einsichten nicht auszusortieren, sondern einzuordnen. Nicht zu entscheiden, wer gut oder böse liegt, sondern zu klären, wo welche Einsicht trägt.

    Ordnung statt Moral

    Als Wirtschafts- und Innenminister des Schattenkabinetts steht Stützel für ein nüchternes Staatsverständnis. Gesellschaftliche Ordnung entsteht nicht durch moralische Appelle, sondern durch funktionale Regeln. Preis, Wert, Wettbewerb und Macht sind keine moralischen Kategorien, sondern institutionelle.

    Wo Regeln unklar sind, tritt Moral an ihre Stelle. Sie ersetzt Analyse durch Haltung und verschärft genau jene Konflikte, die sie zu lösen vorgibt. Stützel war deshalb kein Gegner des Staates, sondern ein Kritiker moralisch motivierter Fehlsteuerung. Seine Perspektive zielte nicht auf weniger Staat, sondern auf einen Staat, der versteht, wo Eingriffe stabilisieren und wo sie Instabilität erzeugen.

    Jenseits von Ideologien

    Stützel war weder neoliberaler Vordenker noch keynesianischer Gegenspieler. Viele spätere ideologische Verengungen bestätigen im Nachhinein genau das Problem, das sein Denken sichtbar machte: die Verwechslung von partiellen Einsichten mit allgemeinen Wahrheiten.

    Die Synergiewende knüpft hier an. Sie unterscheidet strikt zwischen Ordnung und Ideologie, zwischen Struktur und Moral. Sie übernimmt keine politischen Programme, sondern eine Denkform, die ideologische Verhärtungen auflösen kann, ohne neue zu erzeugen.

    Aktualität und Übersetzung

    Dass Stützels Denken heute wieder relevant wird, liegt nicht an veränderten Wahrheiten, sondern an veränderten Möglichkeiten. Was ihm fehlte, waren Mittel zur Vermittlung. Seine Einsichten waren korrekt, aber schwer anschlussfähig.

    Die Synergiewende versteht sich deshalb als Übersetzungsprojekt. Sie macht sichtbar, was strukturell bereits gedacht war, aber nicht wirksam wurde. Mit heutigen technischen und methodischen Mitteln lassen sich diese Denkformen explizit machen, prüfen und in Werkzeuge überführen.

    In diesem Sinn kommt Stützels Lebenswerk nicht zu einem Denkmal, sondern zu einer Anwendung. Nicht als abgeschlossene Lehre, sondern als Einstieg in ein Denken, das gesellschaftliche Krisen nicht moralisch bewertet, sondern funktional bearbeitet.

    Wolfgang Stützel steht damit nicht für eine Vergangenheit der Ökonomie, sondern für ihr bislang ungenutztes Potenzial.